E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 17°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Tierarztpraxis geschlossen: Aus Profitgier Hunde leiden lassen

Von Im Dezember 2016 war die sogenannte Welpen-Mafia aufgeflogen, im März 2017 erhob die Staatsanwaltschaft gegen die illegalen Hundehändler Anklage wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Eine Tierärztin aus Weilmünster soll sich der Beihilfe schuldig gemacht haben. Obwohl das Verfahren jetzt abgeschlossen ist, kommt es vorerst noch nicht zum Prozess.
In einer großangelegten Aktion ließ die Polizei vergangenes Jahr die „Welpen-Mafia“ hochgehen. Unter den Verdächtigen war auch eine Tierärztin. Die mehr als 100 Welpen waren in einem erbärmlichen Zustand. In einer großangelegten Aktion ließ die Polizei vergangenes Jahr die „Welpen-Mafia“ hochgehen. Unter den Verdächtigen war auch eine Tierärztin. Die mehr als 100 Welpen waren in einem erbärmlichen Zustand.
Weilmünster. 

Das Hinweisschild auf die Tierarztpraxis in einem Weilmünster Ortsteil ist verschwunden. Das Telefon klingelt durch; der Anrufbeantworter verspricht einen Rückruf, der jedoch ausbleibt. Die Praxis ist geschlossen.

Nach dem im Dezember 2016 bekannt gewordenen Skandal um die „Welpen-Mafia“ und dem Ende April vom Regierungspräsidium (RP) verhängten vorläufigen Berufsverbot sieht die Medizinerin wohl keine Basis für eine berufliche Zukunft. Die Praxis war zunächst von einem Kollegen weitergeführt worden.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hagen sind seit fast einem Jahr abgeschlossen, und inzwischen liegt auch ein vom Landgericht (LG) Hagen in Auftrag gegebenes Gutachten vor. Der Prozess gegen die Angeklagten zieht sich jedoch noch eine Weile hin. „Eine Terminierung ist wegen vorrangig zu bearbeitender Haftsachen nicht vor Ende des Jahres möglich“, sagte LG-Sprecher Dieter Krause gestern auf Anfrage dieser Zeitung.

Fünf tote Hunde

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einer groß angelegten Razzia in einer Hundezucht bei Siegen hatte die Polizei dort 106 überwiegend verwahrloste und fünf tote Hunde aufgefunden. Zahlreiche Tiere waren behandlungsbedürftig, abgemagert und erkrankt. Die insgesamt 60 Ordnungskräfte, Ermittler und Veterinäre fanden diverse, zum Teil abgelaufene, ungenügend gelagerte oder für Hunde nicht zugelassene Tierarzneimittel sowie Dutzende blanko ausgefüllte Impfpässe – für beides war die Tierärztin aus Weilmünster verantwortlich.

Zahlreiche Hunde waren illegal aus Osteuropa in den Betrieb gebracht worden. Die Medizinerin war seit mehr als zehn Jahren für die Betreuung und Behandlung der dort untergebrachten Hunde zuständig. Sie muss sich vor Gericht wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug in 82 Fällen verantworten.

Das Regierungspräsidium Gießen hat Ende April das Ruhen der Approbation der Tierärztin und die sofortige Vollziehung angeordnet, das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat diese Entscheidung im Mai bestätigt und den Eilantrag zur Fortführung der Betriebs aufgrund des hinreichenden Tatverdachts abgewiesen. Sie habe keine Impfpässe für nicht untersuchte Tiere ausgestellt und keine Kenntnis von der illegalen Einfuhr der Hunde gehabt, behauptete die Frau.

Kollegen distanzieren sich

„Unser weiteres Vorgehen hängt nun vom Ausgang des Strafverfahrens ab. Möglicherweise kommt ein Entzug der Approbation in Frage“, sagte RP-Sprecher Oliver Keßler dieser Zeitung.

Im Zusammenhang mit diesem Verfahren hatte die „Hessenschau“ im Sommer schwere Vorwürfe gegen die Landestierärztekammer (LTK) und gegen das Kreisveterinäramt erhoben, später aber zurückgenommen Die Verantwortlichen seien schon seit 2013 über die mafiösen Zustände informiert gewesen, hätten jedoch nichts unternommen.

„Die Überwachung der Tierärzte und tierärztlichen Praxen obliegt dem Veterinärdezernat des Regierungspräsidiums. Allgemeine Hinweise auf Unstimmigkeiten in der Praxis wurden an die zuständige Stelle weitergegeben, Maßnahmen waren daher durch das RP und die Landestierärztekammer eingeleitet worden“, sagte uns der Pressesprecher des Kreises, Jan Kieserg.

Die Landestierärztekammer wies die Darstellung des Hessischen Rundfunks entschieden zurück. „Die LTK Hessen verurteilt zutiefst das Verhalten, das der Tierärztin angelastet wird. Rein aus Profitgier soll sie das Leiden und Sterben vieler Hundewelpen zu verantworten haben. Die gesamte hessische Tierärzteschaft distanziert sich davon. Das Ausmaß eines banden- und gewerbsmäßig betrügerischen Hundehandels wurde erst durch die Razzia im Dezember 2016 aufgedeckt“, heißt es in einer Mitteilung der LTK. Richtig sei, dass 2013 geschädigte Tierhalter unvollständig ausgefüllte gelbe Impfausweise der LTK zur Überprüfung vorlegt hätten, bei denen Angaben zum Halter nicht erzwungen werden könnten, zumal es in Deutschland keine Impfpflicht für Hunde gebe.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen