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Urteil: Geldbuße für Handwerker aus Langen

Von Eine chaotische Buchhaltung, die den Namen nicht verdient, ein Angeklagter ohne Durchblick, so stellte sich ein Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Langen dar. Doch es gab ein schnelles Urteil.
Auf der Richterbank im Gerichtssaal liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck/Archiv Auf der Richterbank im Gerichtssaal liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck/Archiv
Langen. 

Der 54-jährige ehemalige Besitzer einer Firma für Kältetechnik in Langen kam vor dem Amtsgericht Langen mit einem blauen Auge davon. Angeklagt war er we-gen Insolvenzverschleppung und weil er Sozialabgaben für Angestellte hinterzogen haben soll.

Was bei der Verhandlung vor Amtsgerichtsdirektor Volker Horn in Langen ablief, war chaotisch. Denn offensichtlich hatte der Handwerker die Lage seines Unternehmens nicht rechtzeitig und richtig erkannt – oder er hat mit Vorsatz 360 000 Euro aus der Pleitefirma für sich abgezweigt. Aber erstmal nahm er das Urteil wegen sechs Fällen von Insolvenzverschleppung und Entzug von Sozial-abgaben an. Er wurde dazu verurteilt, eine Geldbuße von 5400 Euro zu zahlen.

Bilanz als Fremdwort

Staatsanwalt Oliver Wilbert kündigte jedoch an, es werde weitere Ermittlungen geben. Denn was der Konkursverwalter des ehemals in Langen ansässigen Unternehmens berichtete, lege den Verdacht nahe, dass hier in größerem Maß Steuern ebenso wie Sozialabgaben nicht ab-geführt wurden.

Wenn der Anklage Glaube geschenkt werde, wie es Amtsrichter Volker Horn tat, befand sich das Unternehmen des 54-Jährigen bereits in Schwierigkeiten, als der Angeklagte es 2011 übernahm. Buchführung oder gar Bilanzen seien Fremdworte für den Kälteanlagen-Baumeister gewesen, erklärte Konkursverwalter Ulrich Hattinger.

Bis zum Verhandlungstermin, so der Rechtsanwalt vor Gericht, habe er sich bemüht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Vergeblich. Denn der Angeklagte habe entweder gar nicht mitgewirkt oder „waschkorbweise“ Unterlagen beigebracht, mit denen nichts bis wenig anzufangen gewesen sei.

Firmengeld abgezweigt

Außerdem, bekundete der Insolvenzverwalter, bestehe der Verdacht, der Angeklagte habe Vermögenswerte aus dem Unternehmen beiseite geschafft. Mit denen führe er jetzt einen Einzelbetrieb mit gleichem Geschäftsziel wie die insolvente GmbH weiter. Offensichtlich nicht erfolglos. Denn von dieser Tätigkeit lebe der Angeklagte offenkundig.

Trotz des jetzt ergangenen Urteils gegen den 54-Jährigen fürchtet Staatsanwalt Oliver Wilbert, werde noch einiges an Ermittlungsarbeit auf ihn zukommen. Denn die Ungereimtheiten um die Insolvenz seien noch längst nicht ausgeräumt. So bestehe außer dem Verdacht, der Angeklagte habe Firmengeld als „Darlehen“ zu seinem Lebensunterhalt abgezweigt, auch die Vermutung, es sei mit Scheinrechnungen in nicht unbeträchtlicher Höhe gearbeitet worden.

Vertreter der Krankenkassen und der Sozialversicherung bekundeten als Zeugen vor Amtsgerichtsdirektor Volker Horn, ihre offenstehenden Forderungen seien „weitgehend“ befriedigt worden. Die Insolvenzsumme, um die es seit dem 4. Februar 2016 geht, beläuft sich auf insgesamt 119 000 Euro. Eine Chance, das Geld noch „irgendwo“ aufzutreiben, sieht Konkursverwalter Ulrich Hattinger nicht. Selbst wenn es ihm gelänge, Ordnung in das buchhalterische Chaos zu bringen nicht.

Der 54-jährige Angeklagte nahm das Urteil auf Anraten seines Pflichtverteidigers Volkmar Biehl sofort an. Irgendwie schien er erleichtert zu sein. Im Hinausgehen meinte er, er sei zwar ein guter Handwerker, aber mit der Buchhaltung habe er es nicht. Und falsche Berater habe er zudem gehabt.

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