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Buchmesse: Den Büchern auf der Spur

Noch bis Sonntag läuft die Frankfurter Buchmesse, und der Herbst ist eine klassische Lesezeit. Daher hat sich die TZ auf Streifzug durch Oberursel begeben – immer dorthin, wo es Lesestoff gibt.
Was ist lesenswert? Die Mitarbeiterinnen Sybille Marschner und Christine Vogt greifen für den TZ-Fotografen zu Büchern. Foto: Jochen Reichwein Was ist lesenswert? Die Mitarbeiterinnen Sybille Marschner und Christine Vogt greifen für den TZ-Fotografen zu Büchern.
Oberursel. 

Wenn es noch früh am Tag und der Morgentau auf den Grashalmen im Rushmoor-Park noch nicht getrocknet ist, lohnt es sich, auf die Pirsch nach einem guten Schmöker zu gehen. Gewehr und Feldstecher kann der Buchjäger zum Glück zu Hause lassen, denn diese „Beute“ läuft nicht weg. Die rote Bücherzelle, in der es ursprünglich nur ein einziges Buch gab, als sie noch eine intakte Telefonzelle in Oberursels englischer Partnerstadt Rushmoor war, ist inzwischen ein Refugium für abgelegten Lesestoff geworden.

Den Aufkleber auf der Tür „Lesen gefährdet die Dummheit“, quittiere ich mit einem kurzen Lächeln, bevor ich eintrete. Im Inneren der Zelle im Rushmoor-Park geht es heute morgen sehr aufgeräumt zu. Peter Scholl-Latours „Schlaglichter der Weltpolitik“ steht einträchtig neben „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ von Fynn. Hier findet sich ziemlich viel, vom Thriller „Das Versprechen“ von David Baldacci bis zum Ratgeber „Karrierestrategien für Frauen“.

Aber auch kleine Schätze sind dabei, wie der Kinderbuchklassiker „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ von Mark Twain in einem schönen alten Einband. Hier trifft die Reporterin die 16-jährige Larissa, die gerade mit ihrem Mischlingshund Rocco auf Gassi-Tour ist. „Für die Schule muss ich viel lesen, aber in den Ferien schmökere ich auch ganz gern. Dann aber eher Fantasy-Bücher oder lustige Romane“, erzählt die Elftklässlerin. Mit dem Roman von Plum Sykes „Society Girls“ unter dem Arm läuft sie fröhlich weiter.

Wer nicht so genau weiß, wonach er sucht, kann sich im Buchladen beraten lassen. Sybille Marschner, Mitarbeiterin der Buchhandlung Libra am Rathausplatz, kennt die Lesetrends. „Bei uns sind seit vielen Jahren die Krimis ganz vorn“, sagt sie. „Im November kommt das neue Buch von Nele Neuhaus mit dem Titel ,Muttertag‘ raus, das wird von vielen Kunden schon als Geschenk für Weihnachten gekauft“, vermutet die Buchhändlerin.

Preisgekröntes Werk

Aber auch die Familiensaga von Autorin Carmen Korn ist beliebt. „Das neue Buch heißt ,Zeitenwende‘ und bekommt eine klare Leseempfehlung von mir“, sagt Sybille Marschner. Bei den Kinderbüchern, ein Schwerpunkt bei Libra, liegt die Reihe „Die Schule der magischen Tiere“ auf Platz eins. Ebenfalls heiß begehrt ist das Buch von Inger-Maria Mahlke, „Archipel“, für das ihr gerade der Deutsche Buchpreis zugesprochen wurde.

Bei Libra sind beim Besuch der TZ am Mittwochvormittag schon alle Exemplare weg, und bei der Stippvisite ich in der Bücherstube bei Frank Wildhage an der Bären-Kreuzung geht gerade das letzte Exemplar über den Ladentisch. „Die Kunden informieren sich und kaufen gezielt, viele möchten aber trotzdem eine Beratung“, weiß er.

„Ich empfehle gern Bücher, die mir selbst gefallen haben. Mein Tipp ist zum Beispiel ,Gott der Barbaren‘ von Stephan Thome“, sagt Wildhage. „Literarisch gut geschrieben und immer spannend erzählt der Autor die Geschichte der Opiumkriege in China.“

Auch Krimis stünden hoch im Kurs. „Der beste Krimi überhaupt ist von Chan Ho-Kei und heißt ,Das Auge von Hongkong‘. Das ist der Spitzname des todkranken Kommissars, dessen Leben im Roman anhand seiner spektakulärsten Fälle rückwärts erzählt wird“, berichtet Wildhage, der seinen Buchladen seit 36 Jahren führt.

Mit einer Leseliste im Kopf geht die Autorin durch die Altstadt. Die letzte Station ist die Stadtbücherei am Marktplatz, in der Leiterin Claudia Hannes bereits wartet.

Digitales ist gefragt

Über etwa 55 561 Medien verfügt die Einrichtung derzeit, davon 39 400 Printmedien also Bücher und Zeitschriften. „Der Anteil der digitalen Medien nimmt jedoch zu“, erklärt Hannes. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Stadtbücherei seit etwa zehn Jahren Mitglied des Onleihe-Verbunds Hessen ist. Dem sind insgesamt 80 hessische Bibliotheken angeschlossen, und jedes der Mitglieder kann auf den gesamten digitalen Bestand dieses Zusammenschlusses zurückgreifen – und somit auch Nutzer.

„Trotzdem haben die Menschen bei Belletristik gern ein Buch in der Hand, und deshalb glaube ich auch nicht, dass das gedruckte Buch eines Tages aussterben wird“, sagt Claudia Hannes. Was sich jedoch geändert hat, ist die Einstellung der Besucher zur Bibliothek. „Früher kamen die Leute her, haben sich Bücher geliehen und sind wieder gegangen. Heute ist die Stadtbücherei ein Treffpunkt, man tauscht sich aus oder lernt gemeinsam“, weiß die Leiterin.

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