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Für mehr Artenvielfalt: Blühstreifen an der neuen Entlastungsstraße Richtung Burgholzhausen

Keine Frage, das Insektensterben hat in den vergangenen Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Ein Pilotprojekt des Landes soll helfen, dem entgegenzuwirken. Dabei werden an Fahrbahnstreifen und Straßenrändern andere Pflanzen gesät. Auch örtliche Umwelt- und Naturschützer begrüßten das Vorhaben.
Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne, rechts) nimmt den Blühstreifen an der L 3057 in Augenschein. Foto: Jochen Reichwein Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne, rechts) nimmt den Blühstreifen an der L 3057 in Augenschein.
Friedrichsdorf. 

Es tut sich was auf einem Teil des Fahrbahnstreifens an der neuen Entlastungsstraße (L 3057) Richtung Burgholzhausen etwas oberhalb des Abzweigs nach Seulberg. Wo zuvor nur langweilige Gräser wuchsen, sprießt jetzt auf einer langgezogenen Fläche von 200 Quadratmeter Neues. „Wir sehen hier Wiesensalbei, wilde Möhre und Schafgarbe“, erläutert Dr. Beate Alberternst, die als externe Beraterin im Auftrag der Landesbehörde für das hessische Straßen- und Verkehrsmanagement, Hessen-Mobil, das landesweite Pilotprojekt „Artenreiche Blühflächen an Hessens Straßen“ mitbetreut. Dass genau in dem Moment eine der blau-lila Kornblumen von einer Wildbiene angeflogen wird, freut auch den hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der sich bei einem Ortstermin gestern Vormittag über das Pilotprojekt informierte.

An sechs ausgewählten Standorten vom Norden bis in den Süden des Landes soll in den kommenden drei Jahren erprobt werden, unter welchen Bedingungen sich auf den Fahrbahnrandstreifen die biologische Artenvielfalt erhöhen lässt. Dabei haben die Projektbeteiligten bei der federführenden Landesbehörde und die bestellten externen Experten die Bodenbeschaffenheit genauso im Blick wie die für die verschiedenen Standorte richtigen Saaten und Stauden.

Sonst Zuchtgräser

Bislang wird an Straßenrädern, Böschungen und Wällen nach Straßenbaumaßnahmen oder Sanierungen sogenanntes Regelsaatgut eingesät. Laut dem externen Berater Andreas Guth entsteht daraus aber bloß, „eine grüne Wüste, die nur aus wenigen Zuchtgräsern besteht“. Für die gewünschte Artenvielfalt tauge das nichts. Dem werden nun, mit etwa zwei Metern Abstand zum Straßenrand, neben den schon erwähnten Saatpflanzen, auch Stauden wie Glockenblume, Wiesenmargerite und Flockenblume entgegengesetzt, wie Agrarbiologin Beate Alberternst beim Ortstermin an der L 3057 erklärt.

Als Vorbereitung wurde dafür an den insgesamt drei Friedrichsdorfer Probeflächen im April der Boden vom alten Bewuchs befreit und neben den Stauden eine regionale Saatmischung mit insgesamt 48 Pflanzenarten ausgebracht. Ein weiterer Flächenabschnitt bleibt jeweils unbearbeitet und dient als Vergleichsfläche. Jetzt gilt es zu beobachten, wie sich die neuen Pflanzen am Straßenrand in den nächsten Jahren entwickeln, um daraus Rückschlüsse zu ziehen, an welchen Stellen welche Pflanzen besonders gut gedeihen, sich ausbreiten und so als Nahrungsquelle für Insekten dienen.

Minister Al-Wazir sieht diese Maßnahme „nicht als Ersatz für großflächige Ökosysteme, sondern als Ergänzung und Unterstützung“. Dabei ist das Straßenbegleitgrün in seiner Gesamtheit keine Kleinigkeit und macht 0,5 Prozent der Landesfläche aus. Das sind tausende von Kilometern entlang der Kreis-, Landes- und Bundesstraßen und den Autobahnen, die in die Zuständigkeit von Hessen-Mobil fallen.

Wichtige Korridore

„Wir brauchen genau diese zusammenhängenden Flächen für die Artenvielfalt. Sie sind wichtige Korridore für den genetischen Austausch der Arten“, sagt auch Friederike Schulze, Kreisvorsitzende des BUND Hochtaunus, beim Ortstermin. Die örtlichen Natur- und Umweltschützer, von denen einige zugegen sind, begrüßen deshalb dieses Pilotprojekt ausdrücklich. Denn was das falsche Saatgut anrichten könne, habe sich vor etwa zwei Jahren gezeigt, als auf den Ausgleichsflächen für die neue Entlastungsstraße entgegen aller Vorgaben statt artenreicher Saaten Weidegras ausgebracht wurde (wir berichteten). Artenvielfalt sehe anders aus. Die Flächen werden jetzt Schritt für Schritt renaturiert.

Dass die L 3057 bei Friedrichsdorf als Projektstandort ausgewählt wurde, habe sich deshalb ergeben, „weil wir Stellen mit unterschiedlichen Bedingungen untersuchen wollen, um daraus Schlüsse zu ziehen, wo sich welche Bepflanzungen am besten eignen“, erklärt Anke Bosch, Projektleiterin bei Hessen-Mobil. Die nächsten drei Jahre sollen auch zeigen, welchen finanziellen und personellen Aufwand solch blühende Seitenstreifen bedeuten.

Ans Geld denken

Gegenüber dem Wirtschaftsminister mahnt der Präsident von Hessen-Mobil, Burkhard Vieth, dann auch gleich ein ausreichendes Budget im Landeshaushalt an, sollten die Maßnahmen nach der Pilotphase Standard werden. Denn schon jetzt ist klar, dass regelmäßige Pflegemaßnahmen durch den Menschen nötig sein werden. Ganz alleine lassen kann man die Neuanpflanzungen auch in den kommenden Jahren nicht. Die Flächen sind durch menschlichen Eingriffe, sprich Straßenbaumaßnahmen, entstanden. Sie in ökologisch wertvolle Orte umzuwandeln, braucht neben dem Wissen, das das Pilotprojekt bringen soll, Zeit und Geduld eben auch die eine spezielle Pflege, bis sie sich in Zukunft vielleicht selbst erhalten können.

Die ersten Ergebnisse im Wachstumsprozess der neuen Pflanzen sind bislang vielversprechend. Trotz der langanhaltenden Trockenheit seit dem Frühjahr, die regelmäßiges Gießen der jungen Pflanzen erforderlich machte, und trotz des Mäuse- und Schneckenfraßes habe sich bislang alles zufriedenstellend entwickelt, sagt Projektleitern Anke Bosch mit Blick auf den Friedrichsdorfer Standort: „Es sind nahezu alle Stauden angewachsen, auch die ausgesäten Pflanzen wachsen gut.“

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