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Stachelige Angelegenheit: Bei Blumen-Jaeger schneidet TZ-Mitarbeiterin Corina Appel vier Stunden Blumen an

Wir helfen Leberecht – das hat sich das Usinger TZ-Team vorgenommen. Soll heißen: Die Journalistinnen und Journalisten im Usinger Land arbeiten einen halben Tag lang in anderen Betrieben mit, werden dafür bezahlt und stecken den Lohn in die Spenden-Box der FNP-Stiftung. Heute war TZ-Mitarbeiterin Corina Appel bei Blumen-Jaeger in Neu-Anspach.
Ein Teil des Jaeger-Teams: Ralf Jaeger (v.li.), Heiko Flöter, Sabrina Rohe, Ute Schneider, Alexandra Kristl, Karin Jaeger und Praktikantin Fariha. Bilder > Foto: Corina Appel Ein Teil des Jaeger-Teams: Ralf Jaeger (v.li.), Heiko Flöter, Sabrina Rohe, Ute Schneider, Alexandra Kristl, Karin Jaeger und Praktikantin Fariha.
Neu-Anspach. 

Blumen sind sensible Gebilde und müssen dementsprechend vorsichtig behandelt werden. Ob die Rosen wissen, dass ich auch ein sensibles Wesen bin und nicht ständig gepiekst werden will? Ich habe keine Ahnung. Aber ich merke: Selbst wenn sie es wissen, sie scheren sich keinen Deut darum. Und so piekst mich nicht nur eine dieser stacheligen, teils duftenden Königinnen. Beim Reinschnuppern in die Arbeit der Floristin (nennt man den Beruf überhaupt noch so?) muss ich mich mit ihnen und einer Menge anderer mehr oder weniger dornigen Schönheiten beschäftigen.

Um 8 Uhr geht’s los. Ich treffe ein paar Minuten später bei Blumen-Jaeger ein. Im Büro bespricht Chefin Karin Jaeger mit ihren Mitarbeiterinnen den Tagesplan: Kränze und Gestecke für eine Trauerfeier am Nachmittag. Die übernimmt Jaeger. Eine Mitarbeiterin hat sich krank gemeldet, also muss umdisponiert werden. Eine Praktikantin kommt das erste Mal, „und die Frau von der Zeitung will um 8 Uhr da sein“. In dem Moment treffe ich ein. Kurze freundliche Begrüßung, bevor es heißt: Ran an die Blumen.
 

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Jobben für Leberecht

Die Kollegen der Taunus Zeitung sind seit einigen Monaten unterwegs und schnuppern in die unterschiedlichsten Jobs. Nicht, weil sie ihr Betätigungsfeld ändern wollen, sondern weil sie den Alltag

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Die hat Karin Jaeger bereits zu nachtschlafender Zeit (4.30 Uhr) im Blumengroßmarkt in Frankfurt gekauft. Viele sind es. Sehr viele. Schön säuberlich nach Sorten in Papp-Kästen verpackt.

„Schön gerade halten“, sagt Jaeger, als ich eins der Päckchen nehme, „damit die Blumen nicht verrutschen und abknicken.“ So wandert eines nach dem anderen vom Transporter in die Blumenwerkstatt und wird ausgepackt. Der Inhalt wird fein säuberlich im Kühlraum in Wasserkübel verteilt. Aber da stehen sie nur kurz, denn nacheinander holen wir nun alle Bündel wieder heraus und schneiden jede Blume einzeln an. Wir, das sind Alexandra Kristl, Praktikantin Fariha und ich.

Nicht nur die Rosen pieken, auch das scharfe Messer will richtig benutzt werden, um die Finger zu schonen. Die Chefin zeigt uns, wie’s geht: Den Daumen hinten an den Stängel legen und vorne schneiden. Klappt bedingt. Der Tipp kommt 30 Jahre zu spät, und die Macht der Gewohnheit führt dazu, dass mein Daumen nachher, na ja . . . Sind ja nur vier Stunden.

Zum Sträußebinden komme ich leider nicht. Schade. Aber die kurzfristig erkrankte Mitarbeiterin hat den Tagesplan etwas durcheinandergewirbelt. Also schneide ich fleißig Blumen an. Oder haue sie mit dem Hammer und stecke sie in heißes Wasser. Nein, nicht aus Frust, dass ich keine Sträuße binden darf. Tatsächlich ist es so, dass die mit den holzigen Stängeln einen Klopfer brauchen und andere einige Sekunden heißes Wasser. Beides hat den Zweck, dass sich die Poren öffnen, damit die Blumen wieder Wasser aufnehmen können. So stecke ich die Hortensien-Stängel also ins kochende Wasser und lege die unteren Enden von Veronika und Wachsflower auf die Metallplatte und haue drauf. Vorsichtig, denn ein bisschen habe ich schon Angst, etwas kaputt zu machen. Doch Alexandra wirft immer wieder wachsame Blicke auf Fariha und mich, damit wir keinen Schaden anrichten.

Drei Vollzeitkräfte, eine Halbtagsbeschäftigte und vier Aushilfen beschäftigt Karin Jaeger im Blumenladen, eine Kraft arbeitet in der Gärtnerei ihres Mannes Ralf. Früher war es umgekehrt: Viele Arbeit in der Gärtnerei, und der Laden war quasi Nebenerwerb. Heute sind Super- und Baumärkte mit ihren Billigangeboten starke Konkurrenz zum Familienbetrieb. Der Anbau von eigenen Pflanzen lohne kaum noch, sagt Ralf Jaeger. Er druckt gerade die Schleifen für den Kranz, den seine Frau gebunden hat. Den Spruch setzt er mit Buchstaben aus dem Setzkasten. Und malt nach dem Druck auf die Schleife die äußeren Ränder der Buchstaben fein säuberlich mit einem schwarzen Stift nach. Es soll doch schön aussehen. Und er sei penibel, erzählt Jaeger.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Adventsausstellung, die am 1. November beginnt und bis zum 1. Advent läuft. Bis dahin werden noch viele BlumenStängel angeschnitten, um Sträuße zu binden, die zwischendurch verkauft werden. Denn Blumen-Jaeger ist auch Partner von Fleurop.

Am Ende bekomme ich das Gehalt einer Mitarbeitern: 9,75 Euro pro Stunde. Aufgerundet gehen 50 Euro an Leberecht.

 

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