Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Bad Vilbel 15°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

49 Busse für 43 Ortsteile: Ausprobiert: So lange ist eine Heimfahrt für Schüler im Usinger Land

Der Schulbusverkehr im Usinger Land steht in der Kritik. Die TZ zeigt beispielhaft an einer Fahrt von Neu-Anspach nach Hasselbach, wie lange ein Heimweg nach der Schule sein kann. Aber auch, wie komplex das Bus-System im Usinger Land mit seinen 43 Stadt- und Ortsteilen ist.
Usinger Land. 

Endlich Schulschluss! Nach der sechsten Stunde drängen sich die Schüler der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach zum Busbahnhof vor ihrer Schule. Doch die Heimfahrt wird für Schüler aus Hasselbach zur Odyssee durchs Usinger Land.

Für eine touristische Rundfahrt wäre der ausgedehnte Routenverlauf vielleicht attraktiv – nicht aber für Schüler, die nach einem langen Schulvormittag endlich nach Hause wollen. Seit dem Fahrplanwechsel steht ihnen nämlich eine 1:45 h lange Rundreise bevor.

Seit der Fahrplanumstellung wird im Usinger Land der Schulbusverkehr kritisiert. Das Problem: auch das beste Liniensystem kann nicht dafür sorgen, dass alle Schüler aus 43 Orts- und Stadtteilen in kürzester Fahrtzeit und zu jeder Schulstunde in der Schule ankommen. Extremes Beispiel ist eine zwei stündige Fahrt. Auf dem Weg von Neu-Anspach nach Hasselbach macht der Bus, dessen Fahrt wir exemplarisch verfolgen, an 56 Zwischenhalten Halt. Bild-Zoom
Seit der Fahrplanumstellung wird im Usinger Land der Schulbusverkehr kritisiert. Das Problem: auch das beste Liniensystem kann nicht dafür sorgen, dass alle Schüler aus 43 Orts- und Stadtteilen in kürzester Fahrtzeit und zu jeder Schulstunde in der Schule ankommen. Extremes Beispiel ist eine zwei stündige Fahrt. Auf dem Weg von Neu-Anspach nach Hasselbach macht der Bus, dessen Fahrt wir exemplarisch verfolgen, an 56 Zwischenhalten Halt.

Laut Fahrplanauskunft unter www.rmv.de geht’s um 13.09 Uhr los. Die Fahrt von Bus 62 führt über den Hessenpark, Obernhain, Wehrheim, Pfaffenwiesbach, Friedrichsthal, Kransberg, Wernborn, Eschbach, Usingen, Merzhausen, Altweilnau. Ober- und Niederlauken, Gemünden, Emmershausen, Rod an der Weil nach Hasselbach. Alles fahrplanmäßig wohlgemerkt.

Um 14.58 Uhr kommen die Schüler nach sage und schreibe 56 Zwischenhalten daheim an. Das Mittagessen ist dann vermutlich schon kalt. Doch eine andere Busverbindung nach Schulschluss gibt es nicht. Der neue Taktfahrplan des Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT) bietet alle zwei Stunden diese Sightseeing-Tour durch das Usinger Land.

Generell haben seit dem Fahrplanwechsel im Dezember die Beschwerden von verärgerten Eltern aus Schmitten und Weilrod über den Schulbusverkehr deutlich zugenommen. Es war ein Zufall, dass Schüler und PJZ-Autor Justus Hötzel gerade in dieser unruhigen Zeit ein Interview mit dem VHT geführt hat. Gemeinsam mit PJZ-Projektleiter Matthias Pieren hat der Neuntklässler aus Wehrheim recherchiert und beim VHT nachgefragt, warum es so kompliziert ist, einen für alle Buskunden gerechten Fahrplan zu stricken.

Für einen ersten Erklärungsversuch lohnt sich für den Gast-Autor ein Blick auf Weilrod. Mit 71,16 Quadratkilometern ist es flächenmäßig die größte Gemeinde im Usinger Land. Die kürzeste Strecke, auf der man alle 13 Ortsteile auf der Straße erreichen kann, beträgt knapp über 80 Kilometer.

Überall leben Familien, deren Kinder gleichzeitig morgens um 8 Uhr zu Schulbeginn an den neun Grundschulen oder weiterführenden Schulen in Usingen, Neu-Anspach und Riedelbach sein müssen. Das gleiche gilt für die Rückfahrt zur fünften oder sechsten Stunde, beziehungsweise noch am Nachmittag.

Weiten wir den Blick auf das gesamte Usinger Land mit seinen sechs Städte und Kommunen mit zusammen 43 Stadt- und Ortsteilen.

Dass alle Schüler zu ihrer Schule gelangen, ist Aufgabe des Hochtaunuskreises. Erledigt wird das durch den Verkehrsverband VHT. „Grundsätzlich bewegt man sich im ländlichen Raum bei der Fahrplan-Planung in schwierigen Strukturen. In den Stoßzeiten des Schülerverkehrs haben wir zwischen 7 und 8 Uhr sowie zwischen 12 und 14 Uhr 49 Busse im Einsatz“, teilt dazu VHT-Geschäftsführer Frank Denfeld mit. „An den anderen Tageszeiten sind es lediglich 14 Busse.“

Die 14 Busse decken im Rahmen des neuen Linienkonzeptes des VHT einen Grund und- Regelverkehr mindestens im Zweistundentakt ab. Einige zentrale Linien verkehren durchgehend mindestens im 60-Minuten-Takt. „Mit der Einführung des Taktverkehrs wollen wir den ÖPNV für die ländliche Region wieder attraktiver machen“, sagt Denfeld.

Der neue Taktverkehr vernetzte einige Buslinien untereinander, wie auch die zentralen Buslinien mit der Taunusbahn. Der Verkehr der Busse sei nun verlässlicher und einfacher zu merken. Der ÖPNV werde attraktiver, wenn ein klarer Takt angeboten wird. Zu Schulbeginn und bei Schulschluss kommen die sogenannten Verstärkerbusse hinzu. Schwierig wird es nun, weil man nicht an allen Schulen des Usinger Landes zu allen Schulstunden einen passenden Busverkehr in alle Ortsteile anbieten könne, erklärt Denfeld Justus Hötzel.

„In Spitzenzeiten werden die Busse von bis zu 90 Prozent von Schülern genutzt. Nur zehn bis 20 Prozent sind andere Fahrgäste. Die genaue Quote hängt davon ab, ob das Ziel eine Schule ist – oder ob unterwegs die Stationen der Taunusbahn angefahren werden“, so Denfeld.

Grundsätzlich sei der ÖPNV nicht kostendeckend und immer ein Zuschussbetrieb. Beim Busverkehr im Usinger Land geht der VHT davon aus, dass der Erlös durch Fahrkartenkauf sowie durch Zuschüsse lediglich maximal die Hälfte der Kosten deckt. „Das heißt rund 50 Prozent der Gesamtkosten müssen durch Steuergelder beglichen werden“, sagt Denfeld. „Unser Ziel ist es, den Busverkehr zu 60 Prozent kostendeckend anzubieten. Das wäre eine gute Quote. Das soll natürlich nicht durch Einsparungen im Busverkehr passieren, sondern durch mehr Fahrgäste und ein noch attraktiveres Angebot.“

Zum Vergleich: Im Stadtbusverkehr in Bad Homburg fahren die Busse zu 80 bis 90 Prozent kostendeckend. 65 Prozent der Kosten werden durch den Fahrpreis (Tickets), 25 Prozent durch Zuschüsse gedeckt. Nur ein kleiner Teil muss noch aus Steuermitteln der Kommune gedeckt werden.

„Wir haben mit einem neuen Betreiber den Busverkehr aufgenommen und gleichzeitig ein neues Fahrplankonzept umgesetzt. Das ist schon eine sehr komplexe und anspruchsvolle Aufgabe. Es war zu erwarten, dass nicht alles sofort glattläuft“, so Denfeld gestern zur aktuellen Kritik.

Zur Startseite Mehr aus Usinger Land

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse