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Pflegeserie: Zu Hause pflegen – mit Hilfe geht das

Von Pflege geht uns alle früher oder später an. Sei’s, dass ein Angehöriger zum Pflegefall wird, sei’s, dass wir selbst auf Pflege angewiesen sind. Doch Pflege in Deutschland ist kompliziert – und teuer. In einer Serie rund ums Thema beleuchtet die Frankfurter Neue Presse die wichtigsten Aspekte – von der Wahl des richtigen Pflegeheims bis hin zu Sinn oder Unsinn der privaten Pflegezusatzversicherung. Heute geht es darum, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Dabei helfen Pflegedienste – etwa 100 davon gibt es in Frankfurt.
<span></span> Foto: Maik Reuß
Frankfurt. 

Möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben – das wünschen sich die meisten Menschen. Ambulante Pflegedienste können dabei helfen. Etwa 100 davon gibt es allein in Frankfurt. Einer von ihnen ist der Frankfurter Verband.

René ist weder ihr Sohn, noch ihr Enkel und doch weiß Elisabeth Sabel (82): „Wenn etwas ist, ist René für mich da.“ René Rosenow (39) ist Altenpfleger beim Frankfurter Verband. Jeden Morgen besuchen er oder seine Kollegen die Seniorin in ihrer kleinen Wohnung im Weißfrauenstift an der Kurmainzer Straße. Weil das Herz der 82-Jährigen schwächelt, müssen ihre Beine täglich neu gewickelt werden, sonst sammelt sich Wasser darin. „Abends, das schaff’ ich noch alleine“, erzählt die Rentnerin, aber bei manchem brauche sie eben doch Hilfe.

Beim Putzen helfen

Später werden zwei Kolleginnen Rosenows vorbeikommen und saubermachen. „Wenn ich das selber mache, bekomme ich Krach mit meinen Töchtern. Ich bin schon ein paar Mal gestürzt“, berichtet Elisabeth Sabel. Seit 15 Jahren ist sie Kundin des Frankfurter Verbands. „Alle sind sehr lieb und nett, sehr hilfsbereit.“

Gleich nebenan wohnt Erna Seyfert (89). Auch ihr stattet Rosenow an diesem Morgen einen Besuch ab. Kaum hat er geklingelt, öffnet ihm eine adrett mit Bluse und Rock gekleidete, ältere Dame die Tür. „Sie ist immer so schick“, verrät der Altenpfleger, und Erna Seyfert auch gleich, wieso: „Ich hatte eine Schwiegermutter, die kam aus Berlin. Die war immer so elegant. Da musste ich ja mithalten.“

Früher hat die Seniorin mit ihrem Mann in der Lenzenbergstraße in Zeilsheim gewohnt. Er starb 1991. „Dann habe ich 20 Jahre alleine dort gelebt. Jetzt bin ich hier alleine“, erzählt Erna Seyfert. Einsamkeit – ein Thema, das René Rosenow vielerorts begegnet.

Eigentlich ist der Besuch bei Erna Seyfert nur eine kurze Stippvisite, es geht – einmal morgens, einmal abends – um ein paar Augentropfen, die sich die 89-Jährige nicht mehr selbst ins Auge träufeln kann. Aber es geht auch um ein nettes Lächeln, ein freundliches Wort, ein wenig Gesellschaft. Bei Erna Seyfert, bei Elisabeth Sabel, bei allen 380 Kunden des Ambulanten Pflegedienstes.

„Natürlich wollen die Kunden ein bisschen schwätzen“, weiß Ursula Ott, Fachbereichsleiterin Ambulante Pflege beim Frankfurter Verband. „Man kommt in die Wohnung der Leute, betritt deren Privatsphäre. Das kann man nicht einfach technokratisch abhandeln.“ Mit der Stoppuhr ist beim Frankfurter Verband denn auch niemand unterwegs. Trotzdem gibt es offizielle Richtwerte, anhand derer auch Ursula Ott die Tourplanung macht. Für die große Körperpflege beispielsweise hat Rosenow theoretisch 19 Minuten Zeit. Ob das reicht, hängt von vielen Faktoren ab. Bei neuen oder besonders immobilen Kunden dauere es deutlich länger, das wüssten aber auch die Vorgesetzten und würden es entsprechend berücksichtigen, sagt Altenpfleger Rosenow. „Die Kunden sollen ja das Gefühl haben, dass wir uns Zeit für sie nehmen.“ Habe sich alles erstmal eingespielt, gehe es auch schneller, weiß er.

Kostendeckend arbeiten

Kostendeckend arbeiten muss der Pflegedienst natürlich trotzdem. Ein Spagat. 1,88 Euro gibt es fürs Ausziehen der Kompressionsstrümpfe am Abend. „Dafür müssen Sie die Wohnung betreten, Guten Abend sagen, die Leistung erbringen und korrekt dokumentieren – sonst gibt es gar kein Geld“, nennt Ott ein extremes Beispiel. Vorher müsse eine ärztliche Verordnung eingeholt werden, dann müsse diese genehmigt werden. Im Vorbeigehen deutet Ott auf die beiden Schreibtische im Sekretariat, auf denen sich das Papier nur so türmt. „Ein Papierkrieg ohne Ende für eine Leistung von 1,88 Euro“, schimpft sie.

Der Papierkrieg, er beginnt nicht erst im Büro, sondern bereits beim Kunden zu Hause. Dort müssen sich die Pfleger jede Leistung quittieren lassen, genau Buch führen. Etwa ein Drittel der Arbeitszeit gehe dafür drauf, schätzt Ott. „Aber unsere Mitarbeiter pflegen lieber, als dass sie schreiben.“

Das geht auch René Rosenow nicht anders. Der Familienvater aus Mecklenburg-Vorpommern kommt ursprünglich aus dem Baugewerbe, hat 2004 mit der Umschulung zum Altenpfleger begonnen. „Ich wollte einen Job, der krisensicher ist“, erklärt er. Eineinhalb Jahre lang arbeitete er nach der Ausbildung im Pflegeheim, seit 2009 ist er beim Frankfurter Verband. Vor allem die medizinische Pflege liegt ihm. „Da sieht man die Fortschritte“, freut sich der 39-Jährige. Er mag es, alten Menschen zu helfen und dafür Anerkennung zu erhalten. „Ich finde es schön, dass ich für meine Arbeit regelmäßig gedankt bekomme.“

Wie viel es die Kunden kostet, wenn sie die Dienste von Rosenow und seinen Kollegen in Anspruch nehmen, ist individuell ganz unterschiedlich. Die Kosten für die medizinische Behandlungspflege trägt die Krankenkasse. Wie hoch der Zuschuss der Pflegekasse für die Pflegeleistungen ausfällt, hängt von der Pflegestufe ab. „Aber das reicht nie aus, um die Kosten vollständig zu decken“, weiß Ott. Kommt der Pflegedienst morgens und abends und erledigen die Mitarbeiter auch das ein oder andere im Haushalt, betrage die Rechnung am Monatsende etwa 1500 Euro, rechnet sie vor. Die Zuschüsse aus der gesetzlichen Pflegeversicherung variieren, sie reichen von 468 Euro bei Pflegestufe I bis 1612 Euro bei Pflegestufe III. Im 4. Teil lesen Sie morgen, dass Pflege häufig nur noch mit ausländischen Kräften machbar ist.

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