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Gesundheit: Wo wohnen die dicksten Kinder in Frankfurt?

Der Frankfurter Kinderarzt Dr. Peter Neumann schlägt Alarm: Viele Einschulungskinder sind zu dick. Eine Gruppe ist besonders gefährdet.
Foto: Ralf Hirschberger/dpa Bilder > Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Frankfurt. 

Seit 30 Jahren ist Dr. Peter Neumann als Kinderarzt im städtischen Dienst tätig. In dieser Zeit habe sich die Zahl übergewichtiger Kinder beinahe verdoppelt, sagt der Mediziner und stellt fest: „Die Lage ist ernst.“ Auch die Zahl übergewichtiger Erstklässler sei beunruhigend hoch – vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund.

Das bestätigt ein Blick in die Daten zur Kindergesundheit des Gesundheitsamts. Im vergangenen Jahr waren mehr als zehn Prozent der Frankfurter Einschulungskinder zu dick – Mädchen tendenziell etwas weniger als Jungen (10,4 Prozent zu 10,5 Prozent). Besonders gefährdet sind Kinder türkischer Herkunft. Von ihnen waren mehr als 20 Prozent der Jungen beziehungsweise 18,5 Prozent der Mädchen übergewichtig. Und damit mehr als dreimal so viele wie bei den deutschen Kindern. Auch Erstklässler balkanischer oder maghrebinischer Herkunft waren wesentlich häufiger übergewichtig. „In diesen Ländern hält sich hartnäckig das Bild, dass runde Kinder auch gesund sind“, sagt Neumann. „Mütter sind teilweise sehr unglücklich, wenn ihre Kinder schlechte Esser sind.“

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Für den Leiter der Kinder- und Jugendmedizin beim Gesundheitsamt bedeutet das viel Aufklärungsarbeit. Denn mit Übergewicht bei Kindern ist nicht zu spaßen. „Das Fatale ist, es tut nicht weh“, sagt Neumann. Doch wer schon in jungen Jahren viel zu viele Pfunde mit sich herumtrage, belaste seine Gelenke und Knochen stark. Das Risiko für Arthrose steigt. Ebenso wie das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose.

Hohe Mitgliedsbeiträge

Im Kampf gegen Übergewicht bei Kindern sind laut Neumann die mehr als 420 Frankfurter Sportvereine eine wichtige Stütze. Sie vermittelten Jungen und Mädchen nicht nur Freude an Bewegung, sondern stärkten auch ihre Persönlichkeit. „Vereine sind für uns enorm wichtig“, sagt der Arzt. Vor allem die, die Angebote in Stadtteilen machten, in denen viele übergewichtige Kinder wohnten. Zum Beispiel im Gallus, in Griesheim und im Bahnhofsviertel, also dort, wo auch der Migrationsanteil recht hoch ist. Allerdings weiß Neumann auch, dass sich sozial schwache Familien eine Mitgliedschaft im Verein nicht immer leisten können. Auch wenn die Stadt bedürftige Kinder unterstützt.

Moritz Pohl vom 1. Deutschen Judo-Club in Frankfurt weiß um diese Problematik. Der monatliche Mitgliedsbeitrag für Kinder liege bei mehr als 20 Euro, sagt der Sportwart. Bedürftige erhielten einen Zuschuss von zehn Euro. Dass der Mitgliedsbeitrag so hoch sei, habe vor allem mit den hohen Hallenmieten zu tun, sagt Pohl. „Das sei alles andere als sozial.“

Vereine protestieren

Tatsächlich steht die Stadt Frankfurt mit ihrem Gebührenmodell im Rhein-Main-Gebiet allein auf weiter Flur. Nirgendwo in Hessen müssen Vereine mehr für die Hallennutzung zahlen als in der Mainmetropole (wir berichteten). Im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis ist die Hallennutzung kostenlos. Die Stadt Frankfurt dagegen verlangt für 90 Minuten zwischen 13.50 Euro (kleine Halle, ohne Hausmeister) und 24 Euro (große Halle, mit Hausmeister). Auf diese Weise nimmt sie jedes Jahr rund eine Million Euro ein.

Beim Sportamt stößt der Protest der Vereine auf taube Ohren. Ob geplant sei, die Kosten wieder zu senken? „Nein“, sagt die kommissarische Leiterin des Sportamts, Angelika Strötz.

Das könnte für das Sportangebot in Frankfurt langfristig Folgen haben. Moritz Pohl sagt beispielsweise, dass es gerade im Gallus schwierig sei, die Anzahl an Kindern dauerhaft zu werben. „Wir sind bereits gezwungen, die Trainingseinheiten quer zu subventionieren“, sagt er. Sollten die Hallenmieten jedoch weiter steigen, sei der 1. Deutsche Judo-Club möglicherweise gezwungen, kein Training mehr im Gallus anzubieten – einen Schritt, den der Sportverein zu umgehen versucht. Weil ihnen die soziale Integration und sportliche Förderung von Kinder aus sozial schwachen Familien sonst nicht mehr möglich sei.

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