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Karriere: Wie ein Straßenkicker zum Welt-Fußballer wurde

Ehsan Abassi ist weltweit auf Plakaten neben Stars wie Paul Pogba und Lionel Messi zu sehen. Adidas hat den Oberräder als Markenbotschafter auserkoren.
Paul Pogba und Ehsan Abassi Paul Pogba und Ehsan Abassi
Frankfurt. 

Der Junge aus Oberrad hat im legendären Old Trafford von Manchester United gekickt, im Stadion von Juventus Turin, mit dem Helikopter ist er schon eingeflogen worden. Überall in der Welt ist sein Gesicht auf großen Plakaten zu sehen, neben den Gesichtern von Fußball-Weltstars wie Paul Pogba und Lionel Messi.

Im Fußballkäfig am Osthafen steht Ehsan Abassi, 20 Jahre jung, die Europäische Zentralbank im Rücken, die Sonne im Gesicht, und zählt die Stationen seiner wundersamen Karriere auf: „London, Paris, Istanbul, Amsterdam, wo war ich noch?“ Fließend sind seine Bewegungen, betont lässig, ein bisschen unnahbar wirkt er, „cool“ sagen junge Leute neuerdings wieder zu Typen wie ihm. Er sagt nicht mehr als nötig, das ist meistens wenig. Wie ist Paul Pogba so? „Nett. Ganz normal.“ Und wer ist besonders nett? „Juan Matta von ManU, der war zu uns, als gehörten wir dazu.“

„Ich genieße das“

In zwei Stunden geht sein Flieger nach Wien. „Ich genieße das“, sagt er, „dieses Leben.“ Dieses Leben macht Ehsan Abassi gerade selbst populär. Längst erkennen ihn die jungen Leute, gerade neulich ist er wieder angesprochen worden, auf der Zeil war das. Ehsan Abassi, der Frankfurter Junge mit Fachabitur, der mal was mit Marketing studieren will, ist ein Markenbotschafter von Adidas geworden. Und ein Vorbild für viele Jungs, die wie einst die Boateng-Brüder im Berliner Wedding in den Fußballkäfigen ihrer Stadtteile kicken.

„Es geht nur darum, was du kannst“: Ehsan Abassi zeigt im Fußballkäfig neben der EZB, was er einst als Straßenkicker in der Nordweststadt und als talentierter Jugendspieler im Verein gelernt hat. Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
„Es geht nur darum, was du kannst“: Ehsan Abassi zeigt im Fußballkäfig neben der EZB, was er einst als Straßenkicker in der Nordweststadt und als talentierter Jugendspieler im Verein gelernt hat.

Halbprofi ist er nämlich auch, Halbprofi als Straßenkicker – in der Tango League, wie die von Adidas weltweit agierende Liga heißt. Zum Marketing gehören vor allem Youtube-Videos, Facebook, Instagram, soziale Medien eben. Die Stars der Straßenkicker-Liga erzählen dort von sich und diesem seltsamen Leben; Adidas filmt die Spiele, schneidet sie rasant zusammen, auf Youtube werden diese Videos millionenfach geklickt. „Guten Content“ liefern fürs junge Zielpublikum, darum geht’s. „Ich liefere guten Content“, sagt Ehsan Abassi, „und ich sehe gut aus.“ Mehr als 10 000 Fans folgen ihm allein auf Facebook. Er ist keiner, der da viel preisgibt von sich, er zeigt lieber, was er mit dem Ball kann. Und das ist allerhand.

Im Fußballkäfig in der Nordweststadt hat er gelernt, sich mit seinem schmalen Körper durch die engen Räume zu winden, die einem der kleine Platz nur lässt. Vier gegen vier, das ist die Standardvariante. Den Ball muss man eng führen können, robust muss man sein, extrem schnell im Handeln, Pausen gönnt einem der Kick auf Beton nicht. Wer sich da durchsetzt, wird ernst genommen. „Respekt“, sagt Ehsan Abassi. „Es geht nur darum, was du kannst. Wer du bist, woher du kommst, welche Sprache du sprichst oder nicht sprichst, das spielt keine Rolle.“ Es mag ein Klischee sein, aber Ehsan Abassi hat das Leben schon vorher gelehrt, sich zu behaupten.

Dramatische Flucht

Nur mit einem Koffer ist seine Mutter mit ihm aus Teheran geflüchtet, sieben Jahre war er alt. Seinen Vater kennt er nicht mehr, sein Vater war tyrannisch, schlug die Mutter, schlug ihn. Der Vater blieb im Iran. Ehsan und seine Mutter kamen nach Dortmund, nach Saarbrücken, im Asylheim lebten sie. Ehsan besuchte die dritte Klasse, „schwere Zeit“, sagt er. Dann kamen sie nach Frankfurt. „Frankfurt ist meine Heimat, die Leute sind total entspannt“, sagt er – und da nun glänzen kurz die Augen, deuten die Mundwinkel ein Lächeln an.

Der Frankfurter Straßenkicker und Adidas-Markenbotschafter Ehsan Abassi mit Xabi Alonso Bild-Zoom
Der Frankfurter Straßenkicker und Adidas-Markenbotschafter Ehsan Abassi mit Xabi Alonso

In Frankfurt hat er sich von Anfang an wohlgefühlt, in Frankfurt hat er immerzu gekickt – im Käfig in der Nordweststadt, im Verein. Bis in die A-Jugend-Hessenliga hat er’s gepackt mit Rot-Weiß Frankfurt. Mit sechs Mannschaftskameraden haben sie sich dann bei der Tango League angemeldet und gewonnen. Ehsan Abassi schoss ein Tor nach dem anderen, bald war er einer der besten der Liga, bald wählte ihn Kaka, Weltfußballer von 2007, zum Welt-Straßenfußballer.

Die Geschichte soll hier nicht vorbei sein. Ehsan Abassi hat Träume. Ein schickes Auto gehört dazu, ein schönes Haus. Schon jetzt kann er sich mehr leisten, als er sich je erhofft hat. Aber richtiger Profifußballer, das wär’s. Allerdings müsste er dafür nicht langsam mal wieder richtig trainieren – in einem richtigen Verein? „Später“, sagt Ehsan Abassi. Jetzt muss er nach Wien.

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