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Wasserhäuschen: Wie ein Busfahrer zum Kiosk-Pächter in Praunheim wurde

Für Gurpreet Singh ist es ein Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist: Er ist der neue Pächter des Brücken-Cafés direkt an der Nidda. Zugleich ist es für den Familienvater aber auch eine große Herausforderung, denn die Trinkhalle ist nur sein Nebenjob. Im Erstberuf ist der gebürtige Inder Busfahrer.
Wasserhäuschen war früher, jetzt gibt’s  Kaffee und Kuchen: Gurpreet Singh am Schalter seines Geschäfts direkt an der Praunheimer Brücke. Foto: Rainer Rüffer Wasserhäuschen war früher, jetzt gibt’s Kaffee und Kuchen: Gurpreet Singh am Schalter seines Geschäfts direkt an der Praunheimer Brücke.
Praunheim. 

Gurpreet Singh kann sich noch gut an seinen ersten Besuch im Brücken-Café an der Nidda erinnern. Ein kleiner Bub war er damals vor rund 20 Jahren und das heutige Café mit Anbau eine ganz normale Trinkhalle. Sein Taschengeld hatte sich der damals Siebenjährige in die Hosentasche gesteckt, vorsichtig kramte er es heraus und kaufte sich ein Eis, ein anderes Mal eine Tüte gemischte Süßigkeiten für einen Euro. „Ich fand es immer toll hier, aber dass ich tatsächlich mal auf der anderen Seite, also hinter der Theke stehe, daran habe ich damals natürlich nicht gedacht“, sagt der heutige 27-Jährige.

Mitarbeiterin Maria vom Wasserhäuschen "Gudes" freut sich auf Euch.

Foto: Svenja Wallocha
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Hatte schon immer ein Auge drauf

Dabei hatte der gebürtige Inder, der in der Nordweststadt aufwuchs, schon immer ein Auge auf das Wasserhäuschen an der Nidda geworfen. Schon vor einigen Jahren hatte er versucht es zu pachten, jedoch ohne Erfolg. „Ich habe schon früher in der Gastronomie gearbeitet und wollte mich immer selbstständig machen. Aber nicht mit einer großen Gastronomie, sondern mit solch einem Wasserhäuschen“, sagt er.

Eine einmalige Chance

Ende vergangenen Jahres schließlich stieß er auf die Anzeige im Internet: Daniel Ihl, sechs Jahre lang Pächter des Brücken-Cafés, sucht nach einem Nachfolger. „Da musste ich einfach zuschlagen, diese Chance konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt Singh, der mittlerweile allerdings in Griesheim wohnt. Für seinen Traum nimmt er aber auch die zusätzlichen Kilometer gerne in Kauf.

Endlich angekommen

Schnell sei „alles unter Dach und Fach“ gewesen, bereits Anfang des Jahres war er plötzlich Kiosk-Chef. Vielleicht ein bisschen zu schnell, denn Singh musste sich erst einmal an seine neue Rolle gewöhnen. „Das hat seine Zeit gebraucht, aber jetzt, nach ein paar Monaten, kann ich wirklich sagen, dass ich angekommen bin“, sagt er.

Es seien vor allem organisatorische Dinge gewesen, die ihn zunächst ausgebremst hätten. Denn Gurpreet Singh stemmt die Arbeit im Kiosk nicht alleine. Das ginge auch gar nicht. Schließlich ist er hauptberuflich Busfahrer. Vier Tage die Woche ist er auf Frankfurts Straßen unterwegs. Es ist eine Arbeit, die er zwar gerne macht, aber nicht bis zur Rente machen will. „Irgendwann möchte ich von dem Kiosk leben und meine Familie ernähren können. Ohne nebenbei Bus zu fahren“, sagt er.

Der Plan geht auf

Damit dieser Plan auch funktioniert, bekommt Singh große Unterstützung von seiner Familie. Ist er nicht im Kiosk, hat seine Tante das Sagen. Zudem sind seine Frau und sein Onkel ihm eine gute Hilfe. „Dann passt das schon“, sagt er. Trotz all der Arbeit hat er trotzdem noch Zeit für seine eigene kleine Familie. Seine Kinder, sagt er, seien jedoch noch zu klein, um im Büdchen zu sein. Dabei ist dieses für den Nachwuchs ein echtes Paradies. Vor allem die Naschtüten, die man sich dort zusammenstellen kann.

Diese Tradition ist auch bis heute geblieben, sagt Singh. Nach wie vor kommen die Kinder und kaufen bei ihm ein. Zudem gibt es viele Stammkunden und natürlich viele Fahrradfahrer, die sich im Café niederlassen, einen Kaffee oder ein Bierchen trinken oder ein Stück Kuchen essen. „Und wer größeren Hunger hat, bekommt künftig bei uns auch Pommes und Schnitzel“ verspricht Singh, der das Angebot nach und nach noch erweitern möchte.

Treffpunkt im Stadtteil

Ansonsten möchte er zunächst einmal alles so lassen, wie es ist. Auch die Räumlichkeiten. Zumal sein Vorgänger 2012 alles saniert, die Trinkhalle erweitert und zu dem gemacht hat, was sie heute ist: ein beliebter Treffpunkt im Stadtteil. Vor allem für die älteren Menschen in Praunheim. „Hier treffen sie sich. Es ist einfach nicht schön, wenn man alleine zu Hause sitzt und irgendwann vereinsamt“, hat Singh sich längst daran gewöhnt, dass er ab und an auch mal „der Kummerkasten für die alten Menschen ist“.

Weil er es gerne ist und genau weiß, dass man als Betreiber eines Büdchens nicht menschenscheu sein darf. Im Gegenteil. Und so freut er sich, wenn jeder Platz in seinem kleinen Café besetzt ist. Auch wenn das für ihn Stress bedeutet, doch Stress findet er gut. Weil es ihm zeigt, dass es gut ist, was er macht. „Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Singh.

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