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Gegen Abschussgenehmigung: Tierschützer: Nilgänse-Jagd ist „irrsinnig“

Frankfurter Umweltschützer und Vogelexperten reagieren verständnislos auf die Abschussgenehmigung für Nilgänse im Brentanobad. Sanftere Lösungen seien der Stadt zu teuer, kritisieren sie.
Nilgänse im Brentanobad Frankfurt Foto: Maik Reuß Nilgänse im Brentanobad Frankfurt
Frankfurt. 

Als wenig effektiv und unzeitgemäß kritisieren Tierschützer die angeordnete Jagd auf die Nilgänse im Brentanobad. Weil das Gesundheitsamt dort mehrere Krankheitserreger im Kot der Wasservögel gefunden hat, hat Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Dienstag die Abschussgenehmigung erteilt. Ab 1. September bis zum 15. Januar rückt der Jäger an.

„Methode nicht effektiv“

Dass im Brentanobad gehandelt werden muss, sieht auch Volker Bannert, Vorsitzender des Naturschutzbundes Frankfurt (Nabu), ein. „Aber, dass man gleich zur Schrotflinte greift, ist ein altes Denken aus dem letzten Jahrhundert und noch dazu irrsinnig und das Ineffektivste, das man machen kann.“

Allerdings haben die Bäderbetriebe schon einiges versucht, um die Scharen loszuwerden. Doch weder Jagdhunde noch Drohnen hatten Erfolg. Für den Nabu-Vorsitzenden keine Überraschung: „Man vertreibt die Vögel nicht von heute auf morgen. Jagdhunde und Drohnen müssten über einen langen Zeitraum regelmäßig eingesetzt werden.“ Aber dies koste die Stadt eben mehr Geld als der Abschuss der Tiere.

Das Problem sei – „wie so oft“ – vom Menschen gemacht, betont Martin Hormann, Agrarwissenschaftler der Vogelschutzwarte. „Die Tiere werden gefüttert und die Menschen hinterlassen Essbares. Das lockt die Nilgänse an, und es ist bekannt: Wer viel frisst, der viel schisst.“ Auf der Liegewiese im Brentanobad kann man sich davon bald bei jedem Schritt überzeugen. An spielenden Kindern bleibt fast zwangsläufig etwas kleben.

Für Bannert und Hormann steht fest: Auch nächstes Jahr werden wieder Massen von Menschen im Brentanobad sein – und damit wieder scharenweise Nilgänse angelockt. Dass nicht nur die Badegäste in Rödelheim, sondern auch Besucher etwa des Ostparks reichlich füttern, hat laut Hormann noch eine fatale Folge: Die wilden Tiere würden vermenschlicht. Sie seien „halb domestiziert“, also zu sehr an den Mensch gewöhnt. Dadurch hätten sie ihren Fluchtinstinkt verloren.

Leben und leben lassen

Für Hormann ist ein absolutes Fütterungsverbot die nachhaltigste Lösung. Das hätte er der Stadt gerne gesagt – wenn sie ihn nach seiner Meinung zur Abschussgenehmigung gefragt hätte.

Nilgänse kommen ursprünglich aus Afrika, sie sind Neozoen, also Vögel, die von weit weg eingewandert sind, wie übrigens der Schwan und die Elster auch. „Nilgänse gehören mittlerweile zu unserer Vogelwelt dazu, und wir müssen lernen, mit ihnen umzugehen“, sagt Bannert.

(reb)
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