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Interview: Tag der Blutspender: „Probleme sind absehbar“

Heute wird weltweit der „Tag der Blutspender“ begangen. Im Interview mit Christoph Arens von der Katholischen Nachrichten-Agentur lobt der Ärztliche Direktor am Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie in Frankfurt, Erhard Seifried, eine hohe Blutspendebereitschaft der Deutschen.
Eine junge Frau spendet beim DRK Blut. Foto: David-Wolfgang Ebener (dpa) Eine junge Frau spendet beim DRK Blut.

Heute wird weltweit der „Tag der Blutspender“ begangen. Im Interview mit Christoph Arens von der Katholischen Nachrichten-Agentur lobt der Ärztliche Direktor am Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie in Frankfurt, Erhard Seifried, eine hohe Blutspendebereitschaft der Deutschen. Seifried ist auch Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg und Hessen.

Herr Professor Seifried, immer wieder liest und hört man, dass es in Deutschland einen Mangel an Blutspendern und Spenderblut gibt. Stimmt das eigentlich?

ERHARD SEIFRIED: Das mag regional oder in begrenzten Zeiträumen stimmen. Grundsätzlich kann man allerdings sagen, dass die Blutspendedienste in Deutschland den Bedarf an Fremdblut zu 100 Prozent decken. Es ist meines Wissens noch kein einziger Patient in der Bundesrepublik wegen fehlender Fremdblut-Vorräte zu Schaden gekommen. Wir haben im Jahr rund vier Millionen Vollblutspenden in Deutschland. Jährlich spenden die Deutschen rund zwei Millionen Liter Blut. In den vergangenen acht Jahren ist der Bedarf um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen.

Das heißt: Die Spendenbereitschaft ist groß genug?

SEIFRIED: Drei bis vier Prozent der erwachsenen Bundesbürger gehen zur Blutspende. Damit haben wir im internationalen Vergleich eine sehr hohe Spendenbereitschaft. Das hängt auch mit dem hohen Vertrauen zusammen, das die Bundesbürger dem Deutschen Roten Kreuz als wichtigstem Blutspendedienst entgegenbringen. Allerdings gibt es eben Phasen, in denen die Spendenbereitschaft nachlässt: in Ferienzeiten etwa, rund um die Feiertage oder in Hitzeperioden. Da kann es dann durchaus mal zu Engpässen kommen.

Das hört sich alles recht unproblematisch an. Ändert sich die Situation durch den demografischen Wandel?

SEIFRIED: Für die Zukunft sind durchaus Probleme absehbar. Der Anteil älterer Bundesbürger steigt, und damit sinkt auch das Potenzial an Spendern. Denn aus gesundheitlichen Gründen gibt es eine Altersgrenze von derzeit 72 Jahren für Spender; vor zehn Jahren lag sie übrigens noch bei 65 Jahren. Andererseits dürfte mit der wachsenden Zahl älterer und mehrfach erkrankter Patienten in den Krankenhäusern auch der Bedarf an Spenderblut steigen. Diese beiden Entwicklungen müssen wir übereinander bringen.

Gibt es dafür Strategien?

SEIFRIED: In den vergangenen 20 Jahren haben Medizin und Wissenschaft – auch wegen Aids – weltweit alles daran gesetzt, die Qualität und Sicherheit von Blutspenden zu erhöhen. Das ist in einem sehr hohen Maße gelungen. Jetzt geht es stärker um Transfusionsstrategien: Der medizinisch korrekte Einsatz des kostbaren Spenderblutes ist eine ethische Verpflichtung für jeden Arzt. Die Frage lautet also: Wann sollen Patienten wie viel Fremdblut erhalten? Deshalb haben Kliniken Programme – bezeichnet als Patient Blood Management (PBM) – aufgelegt, die den Bedarf an Spenderblut verringern sollen. Es ist möglich, an vielen Stellen kleine Mengen zu sparen. Zu den Maßnahmen gehören blutsparende Operationstechniken, Medikamente und Eigenblutspende.

Sie sprechen von alternativen Behandlungsstrategien. Kann man auf Blutspenden irgendwann möglicherweise komplett verzichten?

SEIFRIED: Bisher gibt es keine verlässlichen Methoden, die Transfusionen mit Fremdblut vollständig ersetzen können. Die Eigenblutspende vor planbaren Operationen hat in den letzten fünf Jahren massiv an Bedeutung verloren und spielt letztlich keine klinische Rolle mehr. Während der Operationen werden bei Blutverlusten so viele rote Blutkörperchen wie möglich zurückgewonnen und dem Patienten zurück transfundiert. Neue alternative Methoden wie die Herstellung von Blutzellen aus Stammzellen sind derzeit im labortechnischen Umfang in Entwicklung und erfolgversprechend, benötigen aber noch viele Jahre, bis sie zur klinischen Anwendung zur Verfügung stehen. Vor allem bei schweren Operationen, Verletzungen mit hohem Blutverlust und anderen medizinischen Notfällen ist die Bluttransfusion deshalb unverzichtbar. Aber sowohl Über- als auch Untertransfusionen, aber auch alternative Behandlungsstrategien können mit Nebenwirkungen und Komplikationen für den Patienten verbunden sein.

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