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Moderne Chöre singen immer häufiger Rock, Pop und Gospel: Sänger wird es immer geben

Von Seit 70 Jahren gibt es den Sängerkreis Frankfurt, den Dachverband der Laienchöre der Mainmetropole. Ihm gehören 60 Chöre an, eine Zahl, die dem Sängerkreis-Vorsitzenden Peter Wimmer zufolge konstant bleibt: Während der klassische Männerchor langsam verschwindet, haben Frauen- und Popchöre Zulauf.
Peter Wimmers ist sicher, dass Menschen immer singen werden – nur was, ändert sich mit dem Zeitgeist. Foto: Michael Faust Peter Wimmers ist sicher, dass Menschen immer singen werden – nur was, ändert sich mit dem Zeitgeist.
Frankfurt. 

Peter Wimmers (71) liebt das klassische Liedgut, das Kunst- und Volkslied, die Kompositionen von Franz Schubert etwa oder von Philipp Friedrich Silcher. Mit dem Frankfurter Polizeichor trat der Vorsitzende des Sängerkreises Frankfurt, des Dachverbands der weltlichen Laienchöre der Stadt, bereits in der Alten Oper auf. „Dort vor einem großen Publikum eine Oper zu singen, ist ein tolles Gefühl. Das macht Spaß.“

Und doch weiß Wimmers, der den Dachverband seit 2006 leitet, auch: Das alte, traditionelle Liedgut stirbt langsam aber sicher aus. Und mit ihm die traditionellen Männerchöre. „Sie werden die ersten sein, die verschwinden. Denn viele von ihnen gehen lieber mit wehenden Fahnen unter, als ihr Programm zu modernisieren.“

Der Popchor ist der größte

Gesungen werde in Deutschland, werde in Frankfurt auch 70 Jahre nach der Gründung des hiesigen Sängerkreises aber nach wie vor. „Die Zahl der Chöre und ihrer Mitglieder ist seit Jahren konstant. Aber ihre Zusammensetzung verändert sich.“ Bei seiner Gründung 1947 gehörten ihm ausschließlich Männerchöre an. Heute sind es nur noch 15, dafür aber zwölf Frauen- und 28 gemischte Chöre sowie fünf Kinderchöre. Der größte Chor der Mainmetropole ist dabei mit 200 Mitgliedern der 2005 gegründete Erste allgemeine Frankfurter Popchor. Zum ersten Probenabend seien 140 vor allem jüngere Leute gekommen, erinnert sich Irene Wimmers, die stellvertretende Vorsitzende des Sängerkreises. „An diesem ersten Abend übten sie zwei Stücke ein. Es war toll, wie gut sie die Lieder am Ende der Probe bereits konnten.“

Singen werde den Menschen in die Wiege gelegt, „sie lernen singen bevor sie sprechen können“, sagt Peter Wimmers. „Das beginnt damit, dass die Eltern ihr Kind in den Schlaf singen.“ Bei den alten Griechen waren bereits im Jahre 500 vor Christus Männerchöre ein fester Bestandteil des Theaters. „Die klassische Tragödie bestand aus einem Monolog, dem Gesang des Chores, der Handlung und einem Schlussgesang.“ Das Christentum, so Peter Wimmers, brachte für die Frauen rund 400 Jahre gesangliche Gleichberechtigung.

„Dann setzte sich unter Berufung auf das ,paulinische Schweigegebot’ ein Verbot für Frauen durch, im Gottesdienst zu singen.“ Abgeleitet ist das aus dem ersten Brief an die Korinther, wo es heißt: „Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeinde.“ Da man aber auf die hohen Frauenstimmen im Chor nicht verzichten wollte, begann man – zunächst vor allem in Italien – Knaben zu kastrieren, um zu verhindern, dass sie in den Stimmbruch gelangen. „Jahrhundertelang zählten Kastraten zu den bestbezahlten Künstlern Europas“, sagt Peter Wimmers.

Der moderne Chor hingegen entstand in ganz anderem Zusammenhang vor mehr als 200 Jahren. „Damals bestanden Chöre aus Honoratioren. Man traf sich – so wie heute noch oft – um zunächst zu singen und dann gemeinsam zu speisen“, erklärt Peter Wimmers. Dabei wurde oft auch Politik gemacht oder Geschäfte abgeschlossen. „So wie Schützenvereine waren Gesangsvereine eine reine Männerwelt. Frauen waren dort nicht zugelassen.“ Als erster deutscher Chor entstand 1809 die „Berliner Liedertafel“, die Frankfurter Liedertafel 1827.

Erst Anfang der 1950er-Jahre entstanden auch die ersten Frauenchöre, sagt Irene Wimmers. In den 1970er-Jahren gingen die Mitgliederzahlen der Männerchöre so sehr zurück, dass einige von ihnen geradezu gezwungen waren, sich auch für Frauen zu öffnen – die gemischten Chöre entstanden. „Viele Männer wollten aber unter sich bleiben und traten aus, wenn sich ihr Chor für Frauen öffnete“, sagt Peter Wimmers.

Selbstbewusste Frauen

Heute nehme die Zahl der Frauen in den Chören kontinuierlich zu, sagt Irene Wimmers. So auch beim Polizeichor: Während die Zahl der Männer von 80 auf 45 gesunken sei, wachse der Frauen-Polizeichor. „Unter den 70 Mitgliedern sind auch viele junge und selbstbewusste Frauen zwischen 30 und 40 Jahren.

„Das liegt am Zeitgeist“, ist sich Peter Wimmers sicher. So wie heute kaum noch ein Weg an Pop, Rock und Gospel vorbeiführe. Schade findet er, dass dabei das klassische deutsche Liedgut auf der Strecke bleibe. „Das ist ja auch ein Kulturgut.“ Zwar singe der Polizeichor – vor allem der Männerchor – auch weiterhin Opern und hohes Liedgut, weil seine Zuhörer das erwarteten. „Aber die jungen Leute haben keinen Zugang mehr dazu.“

Am wichtigsten sei, dass die Menschen überhaupt singen, sagt Peter Wimmers. Und weil zur Freude am Singen auch gehöre, anderen mit dem eigenen Gesang eine Freude zu machen, sollten Chöre das singen, was den Leuten gefalle.

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