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Förderprogramm: Polizisten sollen in Frankfurt günstiger wohnen

Von Selbst Arbeitnehmer mit einem mittleren Einkommen haben Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt zu finden. Polizisten oder Pflegekräfte sollen trotzdem in der Stadt gehalten werden – mit Förderprogrammen oder Dienstwohnungen.
Foto: imago stock&people
Frankfurt. 

An Frankfurt führt für junge Polizisten kein Weg vorbei. Nach der Ausbildung an der Polizeiakademie muss sich ein junger Kommissar meist in der Großstadt bewähren. 250 bis 300 Neuzugänge pro Jahr verzeichnet das Polizeipräsidium Frankfurt mit seinen rund 3800 Mitarbeitern.

In der Besoldungsstufe A 9 verdient ein Einsteiger bei der Polizei rund 2000 Euro netto. Das ist einerseits nicht wenig – 43 Prozent der Frankfurter Haushalte haben monatlich einen geringeren Betrag zur Verfügung. Andererseits ist es auch nicht viel in einer Stadt, in der die Mieten explodieren und selbst Zwei-Zimmer-Wohnungen für mehr als 1000 Euro kalt angeboten werden. Eine Ballungsraumzulage, wie sie etwa für Beamte in der noch teureren Stadt München gezahlt wird, gibt es in Hessen nicht. Die Folge: Junge Polizisten sind schnell wieder weg, bewerben sich auf Stellen in Ost- oder Nordhessen, wo sie genauso viel verdienen, aber deutlich geringere Lebenshaltungskosten haben. Für die Frankfurter Polizei ist das meist mit einem Verlust an Erfahrung verbunden.

„Wir müssen überlegen, wie wir junge Leute halten können“, sagt Polizeivizepräsident Walter Seubert. Wichtig sei, ihnen dauerhaft eine bezahlbare Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Hier kommt die Stadt Frankfurt ins Spiel. Sie hat im vergangenen Jahr ihre Richtlinien zur Wohnungsförderung überarbeitet. Der Kreis der Anspruchsberechtigten wurde vergrößert, die Einkommensgrenzen wurden angehoben. Rund zwei Drittel aller Frankfurter haben dadurch jetzt Anspruch auf eine geförderte Wohnung.

Präsidium wirbt gezielt

Damit werde eine Lücke geschlossen, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Bisher galt: Wer die Einkommensgrenzen für eine klassische Sozialwohnung überschritt, war auf den freien Markt angewiesen. Jetzt schließt sich das sogenannte Mittelstandsprogramm nahtlos an. „Wir haben das so gefasst, dass gerade auch Polizisten oder Krankenschwester in den Genuss der Förderung kommen“, sagt Josef. „Das ist auch eine Frage der Wertschätzung von deren Arbeit.“

Viele Projekte geplant

Rund 700 aus dem Mittelstandsprogramm der Stadt geförderte Wohnungen werden in diesem und im nächsten Jahr fertiggestellt. Größtenteils handelt es sich noch um Projekte nach den alten

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Jetzt müssen die Betroffenen nur noch erfahren, dass es dieses Angebot gibt. Josef hat deshalb mit Seubert vereinbart, dass die Polizei bei ihren Beschäftigten intensiv für die geförderten Wohnungen wirbt. Wer Interesse hat, muss sich dann allerdings selbst beim jeweiligen Bauträger um eine Wohnung bemühen. Eine Liste von Projekten findet man auf der Homepage des Stadtplanungsamtes.

Wie hoch die Miete ist, hängt vom Einkommen ab. Ein Alleinstehender, der ein bereinigtes Einkommen (das ist etwas weniger als das Nettogehalt) von 25 000 Euro im Jahr hat, zahlt 8,50 Euro pro Quadratmeter. In der Stufe 2 (bis 28 000 Euro) sind es 9,50 Euro, in der Stufe 3 (bis 32 000 Euro) 10,50 Euro. Bei Familien gelten höhere Grenzen.

Leichter Personal gewinnen

Das gleiche Problem wie die Polizei haben die Kliniken. „Viele Berufsanfänger in der Pflege fragen sich vor der Festanstellung, bleibe ich im Rhein-Main-Gebiet oder ziehe ich in günstigere Regionen?“, sagt Christof Reinmüller, Pflegedienstdirektor am städtischen Klinikum Höchst. „Bezahlbarer Wohnraum wird uns enorm helfen, bei der Gewinnung von Pflegepersonal zu punkten.“

Das Klinikum stellt deshalb jetzt selbst fünf möblierte Wohnungen in der Nähe des Krankenhauses für Pflegekräfte zur Verfügung. Sie werden als Wohngemeinschaft genutzt, pro Person berechnet das Klinikum als Warmmiete einen Selbstkostenpreis von 400 bis 500 Euro. An diesem Wochenende ziehen 13 Pflegekräfte aus Serbien ein. Damit sind die Wohnungen erst einmal belegt.

Den neuen Mitarbeitern werde auf diese Weise ein reibungsloser Start ermöglicht, sagt Reinmüller. Sie könnten ihre neue Heimat erkunden und sich dann entscheiden, wo sie langfristig leben möchten. Vielleicht auch in einer städtisch geförderten Mittelstandswohnung. Josef kann sich jedenfalls vorstellen, auch an Krankenhäusern gezielt für das Programm zu werben.

Günter Murr. Foto: Salome Roessler
Kommentar: Grundstückseigentümer profitieren am meisten

Die Entwicklung ist dramatisch: Noch vor wenigen Jahren war es kaum vorstellbar, dass bei einer Neubauwohnung eine Miete von 10,50 Euro pro Quadratmeter nur noch mit Subventionen möglich sein würde.

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