E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 30°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
5 Kommentare

Geplünderte Hütten, zerstörte Lauben: Kleingärtner in der ganzen Stadt sind verzweifelt

Von Aufgebrochene Türen, zerstörte Fenster, gestohlene Bohrmaschinen: Wegen einer Einbruchsserie überlegen einige Kleingärtner aus Niederrad, ihre Parzellen aufzugeben. Stadtweit leiden die Schrebergartenvereine unter Vandalismus und Diebstählen. Trotz Polizeibeistand scheinen sie gegen die Kleinkriminellen machtlos zu sein.
Die Idylle trügt: Allein hier, in der Anklage des KGV Niederrad, gab es in den vergangenen Monaten 30 Einbrüche. Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Die Idylle trügt: Allein hier, in der Anklage des KGV Niederrad, gab es in den vergangenen Monaten 30 Einbrüche.
Niederrad. 

Seit Katrin M. (32) ihre Gartenhütte in schickem Blau gestrichen hat, lassen ihr die Einbrecher keine Ruhe mehr. Vor drei Jahren erwarb sie gemeinsam mit Freunden eines von 253 Grundstücken des Kleingartenvereins Niederrad. Sechsmal wurde ihr Schrebergarten seither heimgesucht, dreimal allein seit Jahresbeginn. Zuletzt erwischte es sie vor wenigen Tagen, gestohlen wurden lediglich PET-Flaschen. Vielmehr ärgert die Frankfurterin, dass die Einbrecher wiedermal ihre Tür aufgebrochen haben. Denn damit begann alles von vorn: Die Polizei musste anrücken, sie eine Anzeige aufgeben und die Gartenlaube repariert werden. Schon in der Woche zuvor hatten Unruhestifter eine Fensterscheibe eingeschlagen. „Manchmal trübt das die Freude am Kleingarten“, klagt Katrin. Und wie ihr ergeht es vielen ihrer Vereinsnachbarn.

„Ein paar Gärten waren schon drei- oder viermal betroffen. Die Leute haben die Schnauze voll“, erklärt Jürgen Strack (51), der zweite Vorsitzende des KGV Niederrad. „Manche überlegen sogar schon, ihren Garten wieder abzugeben.“ Die Einbruchsserie habe im Oktober 2017 begonnen und sich durch den ganzen Winter gezogen: Erst waren die Grundstücke an der Straßenbahnlinie betroffen, im Dezember ging es in der Hauptanlage weiter, jetzt sind es die drei Hauptwege und das Bürogebäude. Insgesamt hat Strack innerhalb von sechs Monaten mehr als 30 Einbrüche gezählt. „Selbst die Polizei sagt, es sei Wahnsinn, was hier in Niederrad los ist“, erzählt er.

Altbekanntes Problem

Dabei ist den Ermittlern das Problem schon lange bekannt. Regelmäßig suchen Kleinkriminelle und Chaoten Schrebergärten überall in Frankfurt heim, unabhängig von der Jahreszeit, wie die Polizei und die Stadtgruppe der Kleingärtner auf Anfrage bestätigen. Beispiele gibt es viele: 40 Mal wurde im vergangenen Jahr auf den Grundstücken des KGV Oberrad eingebrochen, 30 Mal bei den „Rosisten“ aus Sachsenhausen und 30mal auch beim KGV “Taunusgärten“ im Westen, bei dem beim letzten Mal gleich 15 Parzellen aufgebrochen wurden.

KGV Buchhang Frankfurter Kleingärtner schützen sich vor Vandalismus

Die Vereinsmitglieder des Kleingärtnervereins Buchhang sind sauer. Vandalismus und Einbrüche an den Lauben sorgen für Unmut. Sie versuchen sich nun mit Präventivmaßnahmen zu schützen.

clearing

Die Täter entkommen in der Regel ungestraft. „Die Aufklärungsquote bei den Einbrüchen in Kleingärten ist schlecht“, sagt eine Polizeisprecherin. Die Ermittlungen seien schwierig, es fehle an Zeugen und Spuren. Nächtliche Einbruchstouren blieben manchmal tagelang unbemerkt, schließlich liegen die Gärten meist abseits der Wohngebiete, kaum ein Pächter besucht sein Grundstück täglich. Die Ermittler können oft nur mit der dünnen Spurenlage vor Ort arbeiten. Dass ein Täter gefasst wird, gilt als seltener Glücksfall.

Deshalb weiß auch niemand genau, wer die Gesuchten sind. Die Polizei vermutet „sehr unterschiedliche Tätergruppen“ hinter den Vorfällen: Mal könnten es jugendliche Randalierer gewesen sein, ein anderes Mal ein Obdachloser, auf der Suche nach Essen oder einer Bleibe. Und manchmal, so die Kleingärtner, führen auch ganze Banden mit ihren Kleinbussen vor.

Das schnelle Geld

In den meisten Fällen scheinen die Einbrecher auf schnelles Geld aus. Was in den Hütten herumliegt, stecken sie ein: Beliebt sind Handkreissägen oder Bohrmaschinen, aber es verschwinden auch Pfandflaschen, Decken, Lebensmittel oder Kabeltrommeln. Seltener entstehen Schäden wie in Oberrad, wo ein Rasenmäher gestohlen wurde und ein Pächter deshalb 1200 Euro Schaden meldete. Aber auch die kleinen Beträge summieren sich. „Vor allem die Schäden an der Hütte können teuer werden“, erklärt Strack. Und dann ist da noch der Frust.

Im Kleingarten habe sich teils Resignation breitgemacht, sagt der Vereinschef. Die Einbrüche kosten eben nicht nur Zeit und Geld, sondern auch Nerven. In der Hoffnung, wenigstens vermeiden zu können, dass die Türschlösser geknackt werden, würden manche Nachbarn schon gar nicht mehr abschließen, berichtet Katrin M. Sie weigert sich diesen Schritt zu gehen: „Nicht zu wissen, ob jemand in unserer Hütte oder an unserem Kühlschrank war, fühlt sich schlecht an.“

Die Schrebergärtner scheinen den Heimsuchungen ausgeliefert, obwohl sie versuchen, sich zu schützen. In Oberrad haben Hartwig Treutlein und seine Vereinskollegen beispielsweise die Eingangstore erhöht und die Außenhecken einen Meter höher wachsen lassen. „Aber verhindern kann man nichts“, sagt der Vereinsvorsitzende. Treutlein. Er glaubt: „Wenn die Vereine nicht elektronisch aufrüsten und per Video überwachen, wird das in Zukunft so weitergehen. Aber das ist fast unbezahlbar.“

Ähnlich verhält es sich in Niederrad: „Wir können uns ja keinen eigenen Sicherheitsdienst leisten“, sagt Strack. Panzerschlösser und Gitterfenster würden erfahrungsgemäß auch wenig helfen, sie machten die Grundstücke sogar zu attraktiveren Zielen.

Licht schreckt ab

Er empfiehlt den Kleingärtnern deshalb, alles was möglich ist, wieder mit heim zu nehmen. Und nicht an einer passenden Versicherung zu sparen. Die Polizei rät, zur Abschreckung die Gärten gut auszuleuchten. Außerdem, so eine Sprecherin, könne man den Kollegen die Fahndung erleichtern, wenn man Gartengeräte fotografiere und Gerätenummer aufschreibe. „Aber eine Garantie, dass eine Maßnahme hilft, gibt es nie“, sagt die Polizistin.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen