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Bürgerbegehren: Initiative "Radentscheid Frankfurt": Frankfurt soll Fahrradmetropole werden

Der Acht-Punkte-Plan der Initiative „Radentscheid“ sieht vor, Frankfurt in acht Jahren zur Fahrradmetropole zu machen, nach Vorbild von Kopenhagen und Amsterdam. Ab 4. April werden Unterschriften gesammelt.
Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) Symbolbild
Frankfurt. 

Die Bewegung hat Rückenwind von geglückten Bürgerentscheiden in Berlin und Bamberg, in Darmstadt ist die Unterschriftenaktion im Februar angelaufen. Seit November sind Frankfurter Fahrradverfechter nun am Formulieren eines eigenen Acht-Punkte-Plans, der der Stadt präzise Vorgaben macht, wie sie in den kommenden acht Jahren den Radverkehr in der Stadt regelt. Das Bürgerbegehren soll im April anlaufen.

Gestern stellten Norbert Szép, Allgemeinarzt aus dem Nordend, Heiko Nickel, Mitglied beim ökologischen Verkehrsclub VCD und bei Greenpeace, Alexander Breit von Transition Town und weitere Mitstreiter, darunter auch Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), die Pläne vor. Die Forderungen sind auch unter radentscheid-frankfurt.de zu finden. „Frankfurt kann eine super Fahrradmetropole werden. Die Stadt ist relativ flach und die Wege sind kurz“, erläutert Szép. „Aber es gibt auch viele Verkehrsprobleme, Abgase und immer mehr Staus.“

Szép betreibt seine Arztpraxis „am Hotspot des Stickoxidausstoßes“, an der Friedberger Landstraße. Die belastete Frankfurter Luft, so stelle er täglich in seiner Praxis fest, habe einen Anstieg an Lungenkrankheiten wie Asthma verursacht. „Die Schleimhäute von Kindern sind viel empfindlicher geworden. Wir müssen etwas tun, um mehr Autofahrer dazu zu bewegen, aufs Fahrrad umzusteigen.“

Sicherer machen

Überdies seien mehr als 800 Radfahrer 2016 bei Unfällen verletzt worden, 80 davon schwer, drei Radfahrer starben. Daher, so Punkt eins der Pläne, müssten die Radwege sicherer werden, so dass auch Kinder und ältere Menschen sich auf den Drahtesel wagten. Neue Radwege sollen geschaffen und alte sicherer, breiter und mit gut befahrbarem Belag versehen werden.

Günter Murr. Foto: Salome Roessler
Kommentar Pro fahrradfreundliche Stadt

Schon vor Jahren hat sich Frankfurt aufgemacht, eine fahrradfreundliche Stadt zu werden. Doch während andere europäische Städte wie Kopenhagen nicht zuletzt wegen der Debatte über Luftschadstoffe

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Kommentar Contra fahrradfreundliche Stadt

Ein flächendeckendes Radverkehrsnetz mit geschützten Radstreifen an Hauptverkehrsstraßen, Radschnellverbindungen, auf denen mit höherem Tempo gefahren werden kann, innerstädtische Fahrradstraßen

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Denn viele Menschen trauten sich nicht aufs Rad, weil sie sich nicht sicher fühlten. Auf bestehenden Radwegen gebe es zu viele Unterbrechungen, und an großen Straßen seien die Wege oft zu schmal und zu dicht an den Autos. Deshalb sollen neue Wege ohne Lücken und physisch getrennt vom Autoverkehr verlaufen. Weitere Forderungen: Kein Auto soll mehr auf einem Radstreifen parken oder halten können. Die Initiative wünscht sich, dass pro Jahr mindestens zehn Kilometer innerstädtischer Fahrradtrassen gebaut werden, mindestens 2,30 Meter breit in jede Richtung, zum Beispiel am City- und am Anlagenring, die an regionale Radwege anschließen – für Fahrradpendler aus dem Umland.

Mindestens 15 Kreuzungen sollen pro Jahr sicherer für Radler und Fußgänger umgebaut werden. Unfälle passierten dort zumeist durch Rechtsabbieger. Überdies soll es jedes Jahr mindestens 3000 neue diebstahlsichere Fahrradparkplätze geben. Regelverstöße im Straßenverkehr solle zudem eine ständige Fahrradstaffel der Polizei ahnden.

Dieselverbote verzichtbar

Die Stadt solle mindestens 21 Euro pro Einwohner und Jahr für die Radwege ausgeben, insgesamt rund 123 Millionen Euro. „Es ist durchaus realistisch, diese Summe im Haushalt unterzubringen, zum Beispiel, indem man Einlagen für den Straßenbau umschichtet“, so die Aktivisten. Wenn mehr Autofahrer aufs Rad umstiegen, könne man auf Dieselfahrverbote verzichten, weil der Verkehr weniger werde.

Die Initiative hofft, bis zum Sommer die nötigen rund 15 000 Unterschriften beisammen zu haben. Kommen diese Unterschriften zusammen, kann einige Monate später die Abstimmung stattfinden. Stefan Lüdecke vom Verkehrsdezernat findet es positiv, wenn sich Lobbygruppen fürs Fahrradfahren einsetzen. In Frankfurt, wo neue Kreuzungen stets fahrradfreundlich gestaltet würden und mehr getan werde als in anderen Städten, sei „trotz allem noch Luft nach oben“, sagt Lüdecke.

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