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Johanniter Frankfurt: Helfen am Ende der Welt

Die Hilfe nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal läuft – auch wenn die Nachbeben die Arbeit der Helfer nicht erleichtert. Die Johanniter haben 30 Tonnen Hilfsgüter in das Land am Himalaya geflogen, die Frankfurter Organisation Luftfahrt ohne Grenzen steht mit dem Hilfsflug bereit, und seit einer Woche schon befindet sich ein siebenköpfiges Team der gemeinnützigen mfs-Rettungsdienstgesellschaft in Nepal. Von Kathmandu aus reisen die Ärzte täglich mehrere Stunden in Dörfer und versorgen Patienten.
Die Verzweiflung ist groß bei den Menschen in Nepal. Doch manchmal können sie lachen. Zum Beispiel, wenn Ärzte ihnen helfen. Bilder > Die Verzweiflung ist groß bei den Menschen in Nepal. Doch manchmal können sie lachen. Zum Beispiel, wenn Ärzte ihnen helfen.
Frankfurt/Kathmandu. 

Sieben Ärzte und Sanitäter aus Frankfurt helfen in Nepal. Nach der Erdbeben-Katastrophe sind sie dorthin gereist, um den Menschen zu helfen – unter schweren Bedingungen. Mitten in der Behandlung in einem abgelegenen Dorf wurden sie gestern erneut von einem Nachbeben überrascht. Ralf Hiller, Rettungssanitäter, twitterte: .„10.16 Uhr: Drama hoch Zehn. Gerade war ein heftiges Beben. Alles schnell raus aus den Häusern. Große Panik.“ Es habe zwei Leichtverletzte im Team gegeben, das Nachbeben hatte die Stärke 7,1. Das Epizentrum lag gerade unter dem Dorf. „Wir schaffen das, wir sind ja zum Helfen hier“, so Hiller weiter, der das Team der gemeinnützigen Frankfurter Hilfsorganisation „mfs International“ vor Ort leitet.

 

Schmale Pfade zum Dorf

 

2400 Meter hoch im Berg, dünne Luft, extrem steile und sehr schmale Pfade – und manchmal auch ein mulmiges Gefühl. Davon berichtet das mfs-Team. Das Dorf Kattike Deuraki war das Ziel, die Anfahrt dauerte dreieinhalb Stunden. Ein Freund habe extra zwei Allradfahrzeuge organisiert, geht aus dem sogenannten „Logbuch“ des Sonntags hervor, in dem die Helfer ihre Erinnerungen festhalten. „Mit dem Kleinbus hätten wir keine Chance gehabt. Aber diese nepalesischen Wege sind auch nichts für unsere Toyota Land Cruiser. An extremen Steigungen müssen wir aussteigen und schieben“, so Hiller.

Ihre Praxis haben die Ärzte aus Deutschland wieder in einer Schule aufgeschlagen. „381 Patienten sind zu uns gekommen und haben Hilfe bekommen. Damit steigt die Zahl der seit vergangenen Montag behandelten Erdbebenopfer auf 1398“, erzählt Reinhold Klostermann, ebenfalls von mfs, am frühen Montagmorgen am Telefon. „Frauen, Männer und Kinder ließen ihre Wunden versorgen. Ein Mann war verschüttet worden und hat ein massives Brustkorb-Trauma mit Rippenbrüchen davongetragen.“

 

15 Stunden auf Achse

 

Viele andere Erkrankungen haben die Ärzte zu behandeln: Durchfall, Lungen- und Mandelentzündungen. Nepalesische Helfer, meist im Gesundheitswesen tätig und motorisiert, kündigen die Ärzte in den Tagen vorher an, bereiten Räume vor. Dann kommen die Patienten aus der Umgebung gelaufen. So auch am Sonntag. 15 Stunden war das ehrenamtliche Helfer-Team auf den Beinen. Das schlaucht. „Jetzt noch schnell ein paar Stunden Schlaf, und dann geht es auch schon wieder weiter in ein anderes Dorf. Es soll anderthalb Stunden von hier entfernt sein“, kündigte Klostermann an.

Am nächsten Tag, am Montag, schien es den Helfern, als habe sich das ganze Dorf vor dem leeren Unicef-Zelt versammelt. Mehrere Hundert Bewohner mochten es sein. Alle warteten auf das Helfer-Team. „Eine Frau ist mit einer offenen Unterschenkel-Fraktur zu uns gehumpelt. Der Bruch sieht böse aus. Die Knochenenden sind um fünf Zentimeter verschoben“, berichtete Klostermann.

„Belastung für Einwohner und Helfer“

„Ich bin durch.“ Mit diesen Worten drückte ein Johanniter-Helfer in Kathmandu seine Emotionen nach dem zweiten Erdbeben in Nepal aus.

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Schienen für den Bruch

 

Die Frau muss Höllenschmerzen haben. Unfallchirurg Dr. René Kornas und Deepu Wagle aus Hessen (Fachrichtung Intensivmedizin) untersuchen und behandeln die Patientin, so gut es eben geht. Auf dem nackten Erdboden und in einem Zelt können die Ärzte nicht viel tun. Unter Narkose Wunde säubern und verbinden, Bein so gut es eben geht strecken und dann schienen. „Wir werden am Dienstag ein Krankenhaus aufsuchen und den Chefarzt fragen, ob wir in seiner Klinik eine Operation durchführen dürfen“, so Klostermann.

 

Vater auf dem Rücken

 

Ein Mann schleppte seinen vom Erdbeben schwer verletzten Vater auf dem Rücken ins Zelt. Vier Kilometer habe er so zurückgelegt, berichtete er. Der Vater hat einen Becken- und einen Oberschenkelhalsbruch davongetragen beim Erdbeben. Seine Schmerzen sind unerträglich.

In dem Dorf Devital, in dem die Helfer sich am Montag aufhielten, gab es bis zum Erdbeben eine kleine Ambulanz. Das Dorf wurde am 24. April zu 90 Prozent zerstört, und auch das Behandlungshaus steht nicht mehr. Am Ende des Tages hatte das siebenköpfige Notarztteam mit der Hilfe von Freiwilligen aus Nepal 301 Patienten versorgt. Mehrere Opfer mit Rippenbrüchen, ein kleines Mädchen mit Schlüsselbeinbruch, Menschen mit gebrochenen Händen und Kopfverletzungen mussten behandelt werden, hinzu kamen Lungenentzündungen und anderes. „Leider hatten wir wieder einen Cholera-Verdachtsfall“, sagt Helfer Dr. Prahlad Kc.

Die Helfer hoffen, dass in Nepal jetzt nicht die Katastrophe nach der Katastrophe kommt. Ohne sauberes Trinkwasser verbreiten sich Cholera und Typhus rasch.

 

Wie Sie helfen können

 

Wenn Sie die Ärzte unterstützen wollen, können Sie spenden an mfs, VVB Maingau, IBAN DE 79 50 56 13 15 01 06 00 14 24. Stichwort: Nepal.

Auch die Frankfurter Hilfsorganisation Luftfahrt ohne Grenzen bereitet sich auf einen Hilfsflug vor. „Unser Lager ist voll, wir suchen noch eine günstige Chartermöglichkeit“, sagte deren Präsident Frank Franke gestern. Vor allem muss der Flughafen in Kathmandu offen sein. Luftfahrt ohne Grenzen unternimmt seinen Hilfsflug erst, wenn auch der Weitertransport der Hilfsgüter sichergestellt ist.

(tjs)
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