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1290 Mitarbeiter betroffen: Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg: Erlensee sticht Frankfurt aus

Von Die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg gibt Frankfurt einen Korb: Als Standort für ihre neue Zentrale und Produktionsstätte favorisiert die Firma der Rewe-Group Erlensee. Die 1290 Mitarbeiter aus Frankfurt und Dreieich will sie in den Main-Kinzig-Kreis mitnehmen.
Foto: Die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg, die auf der Wächtersbacher Straße 101 ansäßig ist, und zur Rewe Group gehört, will aus Frankfurt wegziehen. Foto: Holger Menzel Foto: Die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg, die auf der Wächtersbacher Straße 101 ansäßig ist, und zur Rewe Group gehört, will aus Frankfurt wegziehen.
Frankfurt. 

Für den Magistrat der Stadt Frankfurt dürfte es eine Schreckensnachricht gewesen sein: Die zur Rewe-Group gehörende Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg, die ihren Hauptsitz derzeit noch in Fechenheim hat, dort aber nicht weiter expandieren kann, favorisiert Erlensee als neuen Standort. Die künftige Firmenzentrale und Produktionsstätte soll also im Main-Kinzig-Kreis, etwa 26 Kilometer entfernt von der Mainmetropole, entstehen. Die 950 Mitarbeiter aus Frankfurt und 340 weitere aus dem kleineren Firmensitz in Dreieich sollen nach dem Willen der Brandenburg-Geschäftsführung mit nach Erlensee wechseln.

Die Frankfurter Dezernenten Markus Frank (CDU, Wirtschaft), Mike Josef (SPD, Planung) und Rosemarie Heilig (Grüne, Umwelt) hatten sich mächtig in Zeug gelegt, um Wilhelm Brandenburg in Frankfurt zu halten. Sie hatten sogar ein 22 Hektar großes Gewerbegebiet an der Grenze zwischen Frankfurt und Maintal auf den Weg gebracht, um die Geschäftsführung der Großmetzgerei vom Verbleib in Frankfurt zu überzeugen. Nach dem Ausscheiden der Stadt Bad Vilbel waren zuletzt nur noch Frankfurt/Maintal, Karben und Erlensee im Standortrennen gewesen.

Gestern verkündete der Wilhelm Brandenburg-Vorstand, dass er die Planungen für den Standort Erlensee von nun an „prioritär“ weiterentwickeln werde: „Im Laufe des Auswahlprozesses hat sich herauskristallisiert, dass Erlensee der Anforderungsmatrix von allen drei infrage kommenden Standorten am meisten entspricht“, heißt es in einer Mitteilung. Die geplante Bauzeit des 70 000 Quadratmeter großen Gebäudes betrage zwei Jahre.

„Mitarbeiter mitnehmen“

„Erlensee ist von den bisher in Erwägung gezogenen Standorten unser Favorit“, betonte Dirk Höfer, Geschäftsführer von Wilhelm Brandenburg. „Wir konzentrieren uns nun voll und ganz auf Erlensee.“ Es gelte jetzt, weiterhin offene Fragen und Punkte „zügig“ zu klären. „Unser Ziel ist es, dem Vorstand und Aufsichtsrat der Rewe-Group noch in diesem Jahr das Projekt zur finalen Entscheidung vorzulegen. Wir möchten alle Mitarbeiter aus Frankfurt und Dreieich an unseren neuen Standort mitnehmen.“

Mit Blick auf den Standort Frankfurt/Maintal ergänzte Höfer: „Wir bedanken uns ausdrücklich bei Frankfurt und Maintal für das Engagement und die gute Zusammenarbeit in der Planungsphase. Das eigens geschaffene interkommunale Gewerbegebiet zeigt eindrucksvoll, wie agil und flexibel Wirtschaftsförderung sein kann.“

Nach Angaben aus seinem Dezernat wurde Stadtrat Frank gestern in einem persönlichen Gespräch über die Entscheidung der Firma Wilhelm Brandenburg informiert. Frank bedauere es sehr, „dass er das Unternehmen nicht von dem neuen Gewerbegebiet Frankfurt am Main in direkter Nachbarschaft zu Maintal überzeugen konnte“ und dass Brandenburg „trotz des attraktiven Standortangebotes“ in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Firmensitz die Stadt Erlensee priorisiere.

Stadtrat Mike Josef betonte, dass es trotz der großen Flächenkonkurrenz gelungen sei, dem Unternehmen Wilhelm Brandenburg „ein optimales Angebot“ zu unterbreiten. „Wir haben alles getan, um das Unternehmen in Frankfurt zu halten und haben dabei ein hohes Tempo in die vorbereitenden Arbeiten gelegt, um mit dem ambitionierten Zeitplan von Brandenburg Schritt zu halten.“ Die Entwicklung der Fläche an der Grenze Frankfurt/Maintal werde die Stadt „selbstverständlich“ fortsetzen.

„Bedeutendes Signal“

Wirtschaftsdezernent Frank zeigte sich trotz der Absage „sehr zuversichtlich“ im Hinblick auf künftige industrielle Ansiedlungen: „Das neue Gewerbegebiet südlich des Wilhelmsbader Wegs hat das Potenzial für ein interkommunales Gewerbegebiet. Damit setzen wir ein bedeutendes Signal für die Wachstumsfähigkeit von Unternehmen in einer dicht besiedelten Region.“

Bei dem Engagement für eine Ansiedlung der Großmetzgerei in dem geplanten Gewerbegebiet war dem Magistrat nach eigenen Worten „gerade die Situation der Beschäftigen“ wichtig. Die gute Verkehrsanbindung nach dem Bau der nordmainischen S-Bahn wäre nach Einschätzung der Dezernenten „ein großes Plus“ für die Arbeitnehmer gewesen. Diese hätten kaum weiter fahren müssen als bisher. Das Pendeln an den neuen Standort in Erlensee sei „mit Kosten verbunden“.

Wilhelm Brandenburg zählt mit insgesamt 1800 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 595 Millionen Euro (im Jahr 2016) zu den größten Anbietern von Fleisch- und Wurstwaren in Deutschland. Der Verbleib des Unternehmens wäre aus Sicht der Stadt auch wegen der relativ hohen Gewerbesteuereinnahmen wünschenswert gewesen. Auch diesbezüglich war Erlensee wahrscheinlich etwas attraktiver.

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