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Hochwasser: Frankfurt meldet „Land unter“

Es wird zwar kein Jahrhunderthochwasser, aber der Main und seine Nebenflüsse sind randvoll. An vielen Stellen ist das Wasser bereits über die Ufer getreten. Und in Frankfurt ist gestern ein Hausboot gesunken, als es in Sicherheit gebracht werden sollte.
Hobbyfotograf Peter Pfaff, Mitglied im Physikalischen Verein, fotografierte die tosenden Massen gestern an der Staustufe Griesheim. Foto: Maik Reuß Hobbyfotograf Peter Pfaff, Mitglied im Physikalischen Verein, fotografierte die tosenden Massen gestern an der Staustufe Griesheim.
Frankfurt. 

Die Feuerwehr hatte gestern ihre Mühe: Gegen 13 Uhr sank ein Hausboot des Wassersportclubs Kaiserlei (WSCK) in der Nähe der Kaiserlei-Brücke, als es von seinem Liegeplatz zum Schutz vor Hochwasser nach Offenbach gebracht werden sollte. „Der Schiffsführer hat gegen 13 Uhr einen dumpfen Knall gehört, dann ist das Boot binnen Minuten vollgelaufen“, sagt Feuerwehrsprecher Thomas Koch. „Dem Mann blieb nichts anderes übrig, als an Land zu schwimmen.“ Das Boot lief etwa 100 Meter östlich der Kaiserlei-Brücke auf Grund.

Wie kann man sich auf den Fall der Fälle vorbereiten?

Der Magistrat informiert bei einsetzendem Hochwasser über die aktuelle Gefahrenlage auf www.frankfurt.de. Das Land Hessen hat eine Hochwasservorhersage auf www.hlug.de eingerichtet.

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Wie es weitergeht, ist noch unklar. „Die Strömung ist sehr stark, außerdem kommt das Hochwasser“, erklärt der Feuerwehrsprecher. „An eine Bergung mit Kränen und Spezialschiffen ist deshalb im Moment nicht zu denken.“ Die Feuerwehr hat versucht, den Havaristen mit Leinen zu sichern. Doch die Besatzung des RettungsSchnellboots musste diesen Plan angesichts der Strömung aufgeben. „Wir gehen nach Absprache mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt davon aus, dass es dort liegen bleibt. Die Bergung soll Anfang der Woche versucht werden“, sagte Koch gestern Abend. Wie hoch der Schaden ist, lässt sich noch nicht beziffern. Auch die Unfallursache ist unklar: Wegen des Hochwassers treiben zahlreiche größere Objekte im Main, darunter ganze Baumstämme.

Der Pegel am Osthafen ist in der Nacht zum Freitag über die 300-Zentimeter-Marke gestiegen und zum Mittag auf 322 Zentimeter geklettert. Bei 340 Zentimetern ist Meldestufe 1 erreicht. Das bedeutet: erste Uferbereiche unter Wasser. Die Meldestufe 2 beginnt bei 380 Zentimetern und besagt, dass das Wasser auf Freiflächen steht und erste Straßen überflutet sind. Ab Meldestufe 3 – beim Osthafen-Pegel von 470 Zentimetern – wird es happig: Dann stehen Häuser im Wasser, Keller werden überflutet und die Feuerwehr errichtet Sandsack-Barrikaden.

Welle kommt am Montag

Derzeit steigt der Main weiter leicht an, obwohl in anderen Teilen Hessens die Pegel bereits fallen. Die Experten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLUG) gehen davon aus, dass auch die Pegelstände des Rheins noch leicht steigen werden. Für den Osthafen-Pegel in Frankfurt schwanken die Schätzungen für diesen Samstagmorgen zwischen 310 und 360 Zentimetern. „Die Hochwasserscheitelwelle wird für Montag erwartet“, sagt Dieter Ohl, Sprecher des Regierungspräsidiums in Darmstadt. Das heißt: Am Montag fließt das Wasser, das derzeit durch Bayern rauscht, nach Frankfurt. Gestern wurden Vorkehrungen getroffen: Die Köln-Düsseldorfer etwa hat ihre Anleger in den Osthafen schleppen lassen.

Die Nidda staut sich zurück

Auch an Nebenflüssen ist es heikel. Der Pegel der Nidda ist seit fast vier Wochen deutlich erhöht, besonders im Abschnitt kurz vor der Mündung in den Main, wo sich das Wasser zurückstaut. Die Fähranlegestelle am Höchster Ufer ist bereits in den Fluten verschwunden. Die gelbe Dalbe, die die Fähre sonst bei ihren Anlegemanövern gegen den Druck des Wassers abstützt, steht meterweit vom Ufer entfernt; Fahrradständer ragen aus dem Wasser, und die Möwen sitzen auf der Stange und schauen interessiert zu.

Die Höchster Fähre hat derzeit wegen ihrer jährlichen Wartung Betriebspause. Diese Betriebspause wird immer um diese Zeit genommen, weil dann Hochwasser am Unterlauf des Mains durchaus üblich ist: Das „Dreikönigshochwasser“ hängt mit dem regelmäßig wiederkehrenden Wetterphänomen zusammen, dass es meist um Weihnachten etwas milder wird und das Schmelzwasser der ersten Schneefälle aus Bayern und dem Taunus mit Regenfällen zusammenkommt.

Während in der Innenstadt die Kais hoch sind, ist das Hochwasser im Frankfurter Westen gefürchtet: Das Griesheimer Ufer etwa ist bis dicht an den Main bebaut, und auch auf Schwanheimer Seite kann das Wasser über die vierspurige Uferstraße bis an die Bebauung schwappen. Die Anwohner an der Wörthspitze, wo die Nidda in den Main mündet, haben ohnehin Hochwassererfahrung; die gesamte Bebauung des Niddaufers in Nied samt Kerbeplatz sind in der Gefahrenzone. Selbst die kleinsten Wasserläufe wie der in die Nidda mündende Sulzbach oder auch der Liederbach, der im Sommer über Monate komplett austrocknet, geben sich derzeit als Wildwasser. In den Karten der Stadt sind deshalb auch Teile Unterliederbachs als Gefährdungsgebiete eingezeichnet, etwa parallel zur Liederbacher Straße.

„Es hat im vergangenen Jahr im Sommer kein Niedrigwasser gegeben, weder im Rhein noch im Main. Es ist alles randvoll,“ sagt der Höchster Fährmann Sven Junghans. „Vom Wetterdienst ist nichts Gutes vorausgesagt.“

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