Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Bad Vilbel 8°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
3 Kommentare

Naturschutz: Die blühenden Äcker des Mainbogens

Von Einen seltenen Anblick bietet der Fechenheimer Mainbogen zurzeit: Fast alle Äcker erblühen in einer Mischung aus Weiß und Gelb. Der Grund hierfür ist eine ausgeklügelte Zwischennutzung. Die bringt dem Boden Nährstoffe zurück und ist Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten.
Alexandra Schneider und Georg Peukert genießen die blühenden Äcker im Fechenheimer Mainbogen. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Alexandra Schneider und Georg Peukert genießen die blühenden Äcker im Fechenheimer Mainbogen.
Fechenheim. 

Beim Anblick des Blumenmeeres gerät Georg Peukert ins Schwärmen. „Das ist Natur pur“, sagt der Imker und Berater in Fragen rund um Bienen und Honig. Um ihn herum blüht der Fechenheimer Mainbogen, von den Hochhäusern an der Dietesheimer Straße bis zu den Bäumen am Uferpfad. Ein ungewöhnlicher Anblick, hätten die Imker noch vor wenigen Jahren doch mit den Landwirten gekämpft, um wenigstens eine kleine Blumenwiese anzulegen. Blühende Pflanzen seien wichtig für Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten. Heute seien Imker und Landwirte Partner: „Durch die Initiative der hessischen Staatsdomäne Kinzigheimer Hof blüht nun der Mainbogen.“

In den kommenden Wochen wachse die blühende Fläche noch, erklärt Alexandra Schneider, die 2004 die hessische Staatsdomäne Kinzigheimer Hof übernahm. „Wir haben 40 Hektar in Fechenheim. Rund 25 davon blühen zurzeit. Und wir haben auf weiteren Ackerflächen Samen ausgebracht.“

Die Natur als Vorbild

Dabei folgt die studierte Betriebswirtin und Agrarwissenschaftlerin den Vorgaben der Natur. „Wir Landwirte forcieren den Zwischenfruchtanbau. Denn wir haben großes Interesse daran, den Boden nachhaltig zu bewirtschaften“, sagt Schneider. Nach der Maisernte säte sie eine Mischung aus Ölrettich, Senf und Ramtillkraut aus, die den Boden mit ihren Wurzeln auflockert. „Vor allem die Wurzeln des Ramtillkrauts reichen fast einen Meter in den Boden, tiefer also als die Mais-Wurzeln. Dadurch bringen sie Nährstoffe aus der Tiefe hoch, an die der Mais sonst nicht kommen würde, vor allem Nitrate.“ Im Winter sterben die Pflanzen bei starkem Frost. Dann arbeitet der Landwirt sie in den Boden ein, als Dünger für das nächste Maisfeld.

Mais sei eine „selbstverträgliche Kultur“, sagt Schneider. Der Landwirt könne ihn auch auf ein Feld säen, auf dem zuvor bereits Mais stand, weil er dem Boden anders als etwa Weizen nicht so viele Nährstoffe entziehe. „Getreide hingegen bauen wir im Wechsel mit Hackfrüchten an.“ Etwa mit Zuckerrüben. Sonst drohe, dass Schädlinge die Getreideernte befallen.

Pappkärtchen statt Gift

Das sind Schädlinge wie die Nematoden, kleine Fadenwürmer, die die Getreidepflanzen schädigen. Statt mit chemischen Giften bekämpft Schneider sie biologisch: Mit Schlupfwespen, die die Nematoden fressen. „Der Aufwand ist groß. Die Larven sind auf kleinen Pappkärtchen, die meine Mitarbeiter ins Feld hängen. Aber es lohnt sich.“ Zum einen, weil die Schlupfwespen – anders als Gifte – gezielt die Nematoden jagen, zum anderen, weil die Schlupfwespen für einen längeren Zeitraum wirken als Gift.

Die Äcker im Fechenheimer Mainbogen stellen rund ein Zehntel der 400 Hektar, die der Kinzigheimer Hof bewirtschaftet. Erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, vereinte der Hanauer Graf Philipp Ludwig die „Kenzheimer Höfe“ 1612 zu einer Domäne. Diese ging 1736 an das Land Hessen über. Pflanzenschutzmittel setze der Hof erst ein, wenn es unumgänglich ist, sagt Alexandra Schneider.

Immer besser verstünden Forschung und Landwirtschaft, wie sie mit wenig Einsatz chemischer Mittel die Natur schonen könnten, sagt Schneider – etwa durch die ideale Abstimmung der Zwischennutzung der Äcker. Den Maiszünzler etwa, der die Maiskolben anfresse und sie unverkäuflich mache, bekämpfen Landwirte, in dem sie dessen Überwinterungsort, das Maisstroh, ganz klein häckseln.

Die positiven Effekte blühender Äcker auf die Vielfalt der Insekten sehe er in Fechenheim bereits deutlich, sagt Peukert, der im Mainbogen 20 Bienenvölker hält. „Es gibt mehr Insekten, auch Wildbienen.“ Letztere seien meist klein und leicht mit Wespen zu verwechseln. Auch sehe er nun wieder Vögel, die es früher nicht gegeben habe – weil sie keine Nahrung fanden.

Seit vielen Jahren bemühen sich Imker gemeinsam mit dem Naturschutzverband BUND und dem Main-Kinzig-Kreis um „Blühende Landschaften“: Durch das Gespräch mit Landwirten soll mehr Artenvielfalt bei Pflanzen und Insekten entstehen. Oft sei das aber gescheitert, etwa der Angst der Landwirte, mit Blütenpflanzen Schädlinge wie das giftige Jakobskreuzkraut anzulocken. „Es war früher in Saatmischungen für Autobahnböschungen und kam so auf die Felder.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse