E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 24°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
5 Kommentare

Kälte: Die Grie Soß' ist in Gefahr

Von Kurz vor Ostern schlagen die Oberräder Gärtner Alarm: Die Ernte der Grüne-Soße-Kräuter fällt in diesem Jahr dürftig aus. Viele sind schlicht und einfach erfroren bei den frostigen Temperaturen. Das wirkt sich auch auf den Preis aus.
Der Gärtner Rainer Schecker steht in einem seiner Gewächshäuser in der Oberräder Siedlung Im Teller. Foto: Ben Kilb Der Gärtner Rainer Schecker steht in einem seiner Gewächshäuser in der Oberräder Siedlung Im Teller.

Es ist noch nicht lange her, da haben wir verkündet, dass die Felder in Oberrad unter Wasser stehen und die Kräuter der Grünen Soße ertrinken und verfaulen. Jetzt sorgen die Pflänzchen schon wieder für Schlagzeilen: Ihnen ist es derzeit einfach zu kalt. Sie erfrieren. Und das so kurz vor Ostern, wo das Frankfurter Nationalgericht doch eigentlich auf jeden Speiseplan gehört. „Es ist derzeit ein ganz schönes Trauerspiel“, sagt die Oberräder Gärtnerin Doris Krämer und blickt auf die erfrorenen Pflanzen auf ihren Feldern. Die 62-Jährige baut in ihrem kleinen Betrieb ausschließlich die sieben Kräuter – Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch – für die Frankfurter Grüne Soße an. „Auf den Feldern wächst momentan einfach nichts. Wer kein Gewächshaus hat, hat jetzt gelitten“, formuliert sie schonungslos.

Sie selbst hat Glück gehabt. In ihren Gewächshäusern wachsen die grünen Kräuter in voller Pracht. Dennoch musste Krämer schon einigen Großkunden bei ihren Bestellungen der Kräuter einen Korb geben. „Ich kann in diesem Jahr nicht jeden bedienen“, sagt sie. „Ich muss jetzt erstmal schauen, wie viele Kräuter ich ernten kann.“ Das zeige sich aber erst in der kommenden Woche, kurz vor Ostern. Am Gründonnerstag beginnt die Grie-Soß’-Saison offiziell.

„Eine Katastrophe“

Doris Krämer ist nicht einzige Gärtnerin, bei der die Ausbeute der Kräuter in diesem Jahr dürftig ausfällt. „Das ist eine Katastrophe“, schimpft der Gärtner Rainer Schecker, der seine Kräuter auf dem Erzeugermarkt an der Konstablerwache und in seinem Hofladen in Oberrad verkauft. „Ich kann mich an kein Jahr erinnern, dass so schlecht begonnen hat.“ Erst das Hochwasser, jetzt der Frost, das macht ihm zu schaffen. Die Temperaturen von Minus acht Grad würden die zarten Pflanzen nicht vertragen. „Eigentlich sah es zunächst ganz gut aus. Als es vor ein paar Wochen noch recht warm war, ragten die Kräuter schon fünf Zentimeter aus dem Boden“, sagt Schecker. „Ostern schien gerettet.“ Doch dann kam Väterchen Frost wieder um die Ecke – gepaart mit einem eisigen Ostwind. „Das hat den Kräutern nicht gut getan. Jetzt sieht es auf den Feldern wieder aus wie in der Wüste“, so der Gärtner.

Bleiben noch die Pflanzen in den Gewächshäusern. Aber auch die gedeihen, wie der Landwirt sagt, nicht so wie gewünscht. „Der Borretsch und die Kresse haben auch in den Gewächshäusern Frostschäden bekommen“, sagt Schecker. Woran das liegt? „Wenn es draußen Minus acht Grad kalt ist und die Sonne nicht scheint, dann ist es auch im Gewächshaus nicht wärmer als Minus fünf Grad.“ Und was ist mit heizen? Das gehe natürlich, nickt der Oberräder. Das mache er auch. Das sei aber teuer und verbrauche viel Energie. „Wenn man die Gewächshäuser nur auf fünf Grad erwärmt, hat man bei 1000 Quadratmetern schnell 6000 Liter Gas verheizt“, rechnet Schecker vor. Das kostet natürlich Geld – und bedeutet im Umkehrschluss auch finanzielle Einbußen für den Landwirt, der vom Verkauf der sieben Kräuter für Frankfurts Nationalgericht lebt.

Gute Wetteraussichten

„Selbst wenn es jetzt wärmer wird und die Sonne scheint, erholen sich die Pflanzen bis Ostern nicht mehr“, sagt Schecker. Sie könnten dann erst nach den Feiertagen geschnitten werden. „Wir werden keine Mengen verkaufen können.“ Sein Kollege Reinhold Scondo befürchtet sogar: „Für Ostern wird die Menge der Grüne-Soße-Kräuter nicht reichen.“ Die Petersilie, die muss sogar in Italien eingekauft werden. Das geht allerdings noch. Andere Bauern müssten sogar noch mehr Kräuterarten im Ausland zukaufen, wie Thomas Södler vom hessischen Gärtnereiverband zu berichten weiß. „Und einige Kollegen mussten sogar Mitarbeiter wieder nach Hause schicken, weil es einfach nichts zu tun gibt.“

Aber was bedeutet all das für die Kunden? „Die Kräuter für die Grüne Soße werden teurer“, sagt Rainer Schecker. Nicht nur bei ihm, auch bei seinen Kollegen. Der Oberräder wird das Bündel Kräuter für 3,80 Euro statt 3,50 Euro verkaufen müssen. „Ich habe lange mit dieser Entscheidung gerungen, aber es geht nicht anders. Wir haben ein Vielfaches an mehr Arbeit. Wir müssen die Kräuter regelrecht zusammensuchen – und dann noch die Heizkosten“, sagt Schecker. Frostige Nächte wird es allerdings wohl auch weiterhin geben, wie Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst prophezeit. „Das ist im März und April aber nichts Ungewöhnliches“, so Jonas. Immerhin: Tagsüber steigen die Temperaturen. Am Wochenende wird es bis zu zwölf Grad warm. „Es wird freundlich“, sagt der Meteorologe. Sogar die Sonne soll sich blicken lassen. Das wird dann nicht nur den Menschen, sondern auch die Kräuter für die Grüne Soße freuen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen