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Treuhänder aus Liechtenstein packt aus: Cargo City: So floss das Schmiergeld

Von Im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ drehte sich gestern alles um die Abwicklung der Schmiergeldzahlungen über eine liechtensteinische Treuhandgesellschaft. Der Richter befragte einen früheren Verwaltungsrat des Unternehmens.
Der Projektentwickler Jürger Harder, der auch als Lebensgefährte Franziska van Almsicks zu Bekanntheit gelangte, vor Gericht.	Foto: kam Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (.) Der Projektentwickler Jürger Harder, der auch als Lebensgefährte Franziska van Almsicks zu Bekanntheit gelangte, vor Gericht. Foto: kam
Frankfurt. 

In der Korruptionsaffäre um die „Cargo City Süd“ sollen Schmiergeldzahlungen in Höhe von insgesamt mehreren 100 000 Euro über eine liechtensteinische Treuhandgesellschaft abgewickelt worden sein. Graham S., damals Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft, hat gestern Morgen als Zeuge in dem vielbeachteten Korruptionsprozess vor dem Frankfurter Landgericht ausgesagt.

Dabei bestätigte Graham S., dass Geld vom Makler Uwe S. über die ausländische Treuhandgesellschaft an den Fraport-Abteilungsleiter Volker A. floss. Graham S. berichtete, dass Kai B., Geschäftspartner des prominenten Projektentwicklers Jürgen Harder, mit dem Wunsch nach einer solchen Abwicklung an ihn herangetreten sei. Aus Gefälligkeit gegenüber B., dessen Vater er kannte, sei er dem Wunsch nachgekommen, sagte der Liechtensteiner.

Graham S., inzwischen 75 Jahre alt und im Ruhestand, führte aus, dass für die eingehenden Zahlungen ein Verteilungsschlüssel vereinbart worden sei: Fünf Prozent des Geldes sollten an die Treuhandgesellschaft, zehn Prozent an den Geschäftsmann Kai B. gehen. Die restlichen 85 Prozent sollten einem „Dritten“, dem Fraport-Abteilungsleiter A., zukommen. Der Zeuge führte aus, dass die erste Zahlung an A. – rund 155 000 Euro – noch in Bar erfolgte. Das Geld sei in Liechtenstein übergeben und auch quittiert worden.

 

Privates Konto

 

Graham S. regte nach eigenen Worten an, dass Fraport-Mitarbeiter A. für weitere Zahlungen ein Privatkonto bei der liechtensteinischen Landesbank einrichtet. Dies sei auch geschehen. Auf das Konto seien dann weitere Summen in Höhe von insgesamt mehreren 100 000 Euro überwiesen worden.

Graham S. bestätigte, dass zur Verschleierung der Schmiergeldzahlungen eine „Papierlage“ geschaffen worden sei. So habe er auf Grundlage von Informationen und Texten, die Makler Uwe S. ihm zukommen ließ, mehrere Scheinrechnungen und getürkte Schreiben erstellt. Damit sollte der Eindruck tatsächlicher Geschäfte erweckt werden. „Ich war ein Abwickler“, betonte der frühere Verwaltungsrat, gegen den ebenfalls ein Verfahren läuft. Er habe es im Hinblick auf das Prozedere für möglich gehalten, „dass Steuerdelikte im Raum stehen“. Von den Vorgängen um die „Cargo City Süd“, die den Hintergrund der Zahlungen bildeten, habe er „keine Kenntnis“ gehabt.

Als Graham S. erfuhr, dass der Makler Uwe S. gegen Jürgen Harder und Kai B. wegen nicht geleisteter Provisionszahlungen prozessieren will, bezeichnete er das nach eigenen Angaben als „sehr dumme Idee“. „Die Einzigen, die daran verdienen, sind die Rechtsanwälte“, habe er gesagt.

 

Kurioses Vorgehen

 

Dass der Makler Uwe S. wegen Provisionen in einen Zivilprozess zog, die mit einer Schmiergeldvereinbarung verbunden waren, gehört zu den Kuriositäten der „Cargo City“-Affäre – schließlich barg dieses Vorgehen die Gefahr, dass die illegale Geschäftspraxis ans Licht kommt. Um den Makler von seinem Prozessplan abzubringen, bestellten Jürgen Harder und Kai B. den Investor Ardi Goldman nach Mallorca. Auf Harders Jacht baten sie ihn, auf den Makler einzuwirken, mit dem er seit Jahren geschäftlich verbunden war.

Harder und B. rechneten nach eigenen Angaben mit der Kooperationsbereitschaft Goldmans, weil sie diesen in vergleichbarer Lage sahen. Wie die beiden Geschäftspartner soll auch er mit dem Makler und dem Fraport-Abteilungsleiter eine Schmiergeldabrede getroffen haben, um an ein Erbbaugrundstück in der „Cargo City“ zu kommen. Auf Goldmans Intervention hin stellte der Makler die Zahlungen über Liechtenstein ein.

Im Gegensatz zu den Angeklagten Harder und B., die mehr oder weniger umfassend gestanden haben, bestreitet Goldman, von den Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er lügt. Was stimmt, hat der Richter zu klären.

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