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Korruptionsaffäre am Flughafen: Cargo-City-Prozess: Angeklagter Makler gibt sich reumütig

Von Im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ musste der angeklagte Makler Uwe S. gestern Einblicke in seine wirtschaftlichen Verhältnisse gewähren. Außerdem drehte sich der Verhandlungstag um Steuern, die der frühere Fraport-Abteilungsleiter Volker A. hinterzogen haben soll.
Uwe S. muss sich vor dem Landgericht verantworten. Foto: Kammerer, Bernd (.) Uwe S. muss sich vor dem Landgericht verantworten.
Frankfurt. 

Als der Immobilienmakler Uwe S. im Juli 2013 aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, stand er vor dem Nichts: „Ich bin nach Hause gekommen und war mittellos“, sagte der Angeklagte gestern im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“. Der Gerichtsvollzieher habe „bis zur Krawattennadel alles mitgenommen“, erinnerte sich der 55 Jahre alte Frankfurter. Familienmitglieder und Freunde hätten ihm danach geholfen, einigermaßen über die Runden zu kommen. „Ich lebe jetzt von Monat zu Monat“, sagte S., der weiterhin als Makler arbeitet.

Wie berichtet sollen Uwe S. und der damalige Fraport-Abteilungsleiter Volker A. Schmiergeldzahlungen mit Projektentwicklern vereinbart und diesen als Gegenleistung Grundstücke in der „Cargo City Süd“ zugeschanzt haben. Außer dem Immobilienmakler und dem ehemaligen Fraport-Mitarbeiter sind auch die Entwickler Ardi Goldman, Jürgen Harder und Kai B. angeklagt.

Der geständige Makler Uwe S., der gestern Einblicke in seine wirtschaftlichen Verhältnisse gewähren musste, führte aus, dass seine Umsätze nach den für die Immobilienbranche „goldenen“ 90er Jahren stetig gesunken seien. Auch im Zusammenhang mit der Internetblase habe er „viel Geld verrudert“. 2005 habe er sein Büro auf der Freßgass’ aufgegeben und eine Sekretärin entlassen, „weil die Kosten mich aufgefressen haben“.

 

Aussicht auf viel Geld

 

Uwe S. sagte, dass er in den Jahren 2005 und 2006 „nicht auf Rosen gebettet“ gewesen sei. Die „Cargo City Süd“-Geschäfte seien eine Chance gewesen, viel Geld zu verdienen, „deshalb habe ich’s nicht so genau genommen“. Infolge eines Arrestbeschlusses wurden bei dem Makler Vermögenswerte in Höhe von 1,3 Millionen Euro sichergestellt, hinzu kommt eine Sicherheitshypothek von 200 000 Euro auf eine Eigentumswohnung. Diesen dinglichen Arresten steht eine Insolvenzforderung in Höhe von etwa einer Million Euro und eine Forderung der Fraport von 3,6 Millionen Euro wegen des geflossenen Schmiergelds gegenüber. Ob es bei diesen Forderungen bleibt, ist noch unklar. Der reumütige Makler bekundete gestern, dass er auch künftig in der Immobilienbranche arbeiten wolle und trotz allem auch schon Jobangebote erhalten habe.

 

Hinterzogene Steuern

 

Auch um die Steuerhinterziehung, die dem früheren Fraport-Abteilungsleiter Volker A. vorgeworfen wird, ging es am gestrigen Verhandlungstag. Der als Zeuge geladene Finanzbeamte Jens B. berichtete von vier Zahlungseingängen in Höhe von insgesamt mehr als einer halben Million Euro, die A. bei seinen Steuererklärungen für die Jahre 2008 und 2009 nicht angegeben habe. In drei Fällen habe es sich um Überweisungen auf ein Konto der liechtensteinischen Landesbank gehandelt, in einem Fall um eine quittierte Barauszahlung.

Jens B., der für die strafrechtlichen Ermittlungen auch Steuerberechnungen machte, ermittelte für die Jahre 2008 und 2009 einen Hinterziehungsbetrag von insgesamt 238 787 Euro – so viel Geld enthielt Volker A. also dem deutschen Fiskus vor. Die vier erwähnten Zahlungen waren als Maklerprovisionen getarnte Schmiergelder, die wie berichtet über eine liechtensteinische Treuhandgesellschaft abgewickelt wurden.

Begonnen hatte der Tag mit der Zeugenvernehmung von Peter S. Der Geschäftsmann verhandelte für das Immobilienunternehmen AMB mit Ardi Goldman. Die AMB wollte das Logistikgebäude kaufen, das der Investor in der „Cargo City Süd“ geplant hatte. Es kam zu einer notariellen Beurkundung des Kaufvertrags, dann aber nicht zur Zahlung des Kaufpreises. Als Grund für das Platzen des Geschäfts führte die AMB an, dass Fälligkeitsvoraussetzungen nicht erfüllt worden seien; S. gab aber zu, dass sich die AMB vor allem wegen der Immobilienkrise zurückgezogen habe.

Dass Goldman mit einem Makler – Uwe S. – zusammenarbeitete, missfiel der AMB offenbar: „Wir waren schon ein bisschen verwundert darüber, dass das Geschäft nicht direkt an uns herangetragen wurde“, weil die AMB bereits mit einer Immobilie in der „Cargo City Süd“ vertreten gewesen sei. Eine Maklerprovision hätte sich das Unternehmen gern erspart.

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