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Leberecht-Stiftung: An diesem Büdchen feiern Opernsänger mit

Von Naim Yildirim ist das Gesicht der Trinkhalle in der Niederurseler Landstraße. Jetzt möchte sich der Kiosk-Besitzer bedanken – mit einem Nachbarschaftsfest. Pere Llompart und Magdalena Tomczuk vom Chor der Oper Frankfurt sind dabei, und das Eintracht-Spiel wird übertragen.
Hilfsbereiter Mensch: Naim Yildirim, Trinkhallen-Besitzer in Niederursel, veranstaltet an Heinrich’s Bierstübchen zugunsten der Leberecht-Stiftung dieser Zeitung ein Nachbarschaftsfest. Bilder > Foto: Salome Roessler Hilfsbereiter Mensch: Naim Yildirim, Trinkhallen-Besitzer in Niederursel, veranstaltet an Heinrich’s Bierstübchen zugunsten der Leberecht-Stiftung dieser Zeitung ein Nachbarschaftsfest.
Niederursel. 

Entspannt stützt sich Naim Yildirim auf seinen verschränkten Armen ab, unter seinen Ellenbogen liegt ein Zeitungsstapel, links und rechts von ihm stehen Boxen mit Süßigkeiten und Schokolade, in dem Regal über seinem Kopf reiht sich eine Spirituosen-Flasche an die nächste. Alles Dinge, mit deren Verkauf der 56-jährige Trinkhallenbesitzer Geld verdient. „Es ist eigentlich ein typisches Büdchen-Sortiment, das ich hier anbiete“, sagt Yildirim und zählt auf, was sonst noch dazu gehört: Zigaretten, Eis und Kaffee. Ein Euro kostet eine Tasse, im Mitnahme-Becher zahlen die Kunden dafür 1,50 Euro.

84-Stunden-Woche

„Es ist ein schwieriges Geschäft, aber es macht mir immer noch Spaß. Obwohl es wirklich hart ist“, sagt der gebürtige Türke, der die Trinkhalle an der Niederurseler Landstraße direkt neben der Heinrich-Kromer-Schule seit sechs Jahren gepachtet hat. Sechs Tage in der Woche steht er von 7 bis 21 Uhr hinter der Glasscheibe mit dem kleinen Fenster.

Bis vor sechs Monaten hatte er noch jeden Tag geöffnet, doch mit der Erkrankung seiner Frau fiel die größte Unterstützung weg. „Ich habe am Dienstag einen Ruhetag eingeführt. Jeden Tag hier 14 Stunden zu stehen, das schaffe ich auf Dauer nicht“, sagt er und bittet in den kleinen Raum hinter seinem Kiosk. Zwei Stehtische mit Barhockern stehen dort, an der Wand hängt ein großer Fernseher. Eine Heizung wärmt. Ohne seine zahlreichen Stammkunden, die ihm über all die Jahre treu geblieben sind, wäre er vielleicht nicht mehr hier, sagt Yildirim, seufzt und lässt sich auf einen der Barhocker fallen.

Er sagt, als kleines Büdchen habe man „es wirklich nicht leicht“. Supermärkte mit Öffnungszeiten bis tief in die Nacht sowie Tankstellen, die ihr Sortiment zunehmend erweitern und stets günstiger werden, seien eine große Konkurrenz. Umso mehr freut er sich über die Menschen, die regelmäßig zu ihm kommen. Deswegen möchte er ihnen jetzt etwas zurückgeben und zugleich dafür sorgen, dass die Nachbarn enger zusammenrücken.

Und er will zeigen, dass den Frankfurter Wasserhäuschen oft ein falsches Image vorauseilt. „Hier wird nicht nur die ganze Zeit gesoffen, bei uns treffen sich die Menschen“, sagt Yildirim.

Mit einem großen Fest am Sonntag, 3. Dezember, ab 13 Uhr will er die Nachbarn zusammenbringen. „Oper – am Büdchen – fürs Volk“ hat er seine Veranstaltung genannt. „Das sagt eigentlich alles“, sagt der gelernte Elektrotechniker, der es bis heute fast nie bereut hat, seinen festen Job gegen das Büdchen eingetauscht zu haben. Pere Llompart und Magdalena Tomczuk von der Oper Frankfurt werden den Nachmittag musikalisch begleiten, es gibt Glühwein und Leckeres vom Grill – kostenfrei. Dazu wird das Auswärtsspiel der Eintracht in Berlin auch übertragen. Zudem möchte Naim Yildirim Spenden sammeln zugunsten der Leberecht-Stiftung dieser Zeitung. „Ich gebe gerne und fühle mich dem Projekt verbunden. Zumal ich selber schon einmal bei der großen Sammlung für Leberecht auf der Freßgass’ mitgemacht habe“, sagt er.

Neben vielen bekannten Gesichtern, die kommen wollen, hofft der Büdchen-Besitzer aber auch auf neue Kundschaft. Sieben Plakate will er in demnächst noch aufstellen, im Umkreis von etwa 900 Metern um seine Trinkhalle. „Die Menschen, die hierher kommen, fühlen sich wirklich wohl bei mir“, versteht sich Yildirim längst nicht nur als der Mann, der Zigaretten, Zeitungen und Süßigkeiten verkauft.

Den Kindern verbunden

Besonders verbunden fühlt er sich den Kindern an der Heinrich-Kromer-Schule. Mittags bilden die Ein- bis Viertklässler eine lange Schlange. „Ich helfe gerne, Pflaster habe ich immer parat“, sagt er.

Dass ein Besuch an Yildirims Kiosk zum Alltag vieler Schüler gehört, kommt nicht von ungefähr. Schließlich werden die neuen Erstklässler begrüßt und die Viertklässler vor den Sommerferien gebührend verabschiedet: mit Gratis-Eis. „In diesem Jahr gab es Flutschfinger“, sagt Yildirm, lacht und beginnt, Süßigkeitenbehälter zu befüllen. Schließlich will er gerüstet sein, wenn in einer Stunde der Ansturm beginnt.

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