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Krakenwesen Filmfestival

Von Jenni Ellwanger

Man erkennt sich. Gut sichtbar tragen sie ihre „Badges“, Karten, Buttons, oder T-Shirts, nicht zu vergessen schicke Taschen oder zumindest passende Jutebeutel. In den Ballungsräumen um den Potsdamer Platz genauso wie in der U2 und U1, aber auch in der Peripherie von Weißensee und Kleinmachnow. In einer Stadt wie Berlin, in der wirklich selten ein einzelnes Kulturevent die öffentliche Wahrnehmung dominiert, schaffen es die Berlinale-Gänger dieser Tage, wie ein Schwarm Heuschrecken flächendeckend einzufallen. Sie sind überall. Und das macht einen Teil des Festivalerlebnisses aus. Denn so entsteht eine Gemeinschaft. Was diese sichtbare Zugehörigkeit betrifft, wollen alle Teil von etwas sein.

Wem oder was frönt diese Sekte? Ganz grundlegend wohl: „Kunst und Medien“. Doch dann wird es schon schwieriger. Denn so homogen ist die Gruppe der Festivalgänger ja doch nicht. Da gibt es zunächst die wichtige Unterteilung: akkreditiert oder nicht? Denn die Tasche kann sich ja jeder dahergelaufene, einmal ins Kino gehende Festivaltourist erschleichen. Da reicht es ja schon, auf eine begleitende Lesung zu gehen, ja, einmal am roten Teppich zu stehen, wenn Matt Damon vorbeiläuft, um sich guten Gewissens das Accessoire zu erkaufen. Erst der Badge mit der vollen Akkreditierung macht den Profi kenntlich. Den Fremden, an den man sich im Vertrauen wenden kann, nur um dann ganz profan zu fragen: „Was gibt’s denn so für Parties heute?“ Ja, Festivaltouristen erschleichen sich gelegentlich auch mit Rahmenprogramm die Zugehörigkeit. Dann gibt es die Scharen der Leute, die auf Festivals arbeiten. Allen voran Filmschaffende. Von Regie über Schauspiel, Hochschulen, Produktion bis Vertrieb: eine ganze Welt der Meetings, Märkte, Empfänge, Talentworkshops, Sonderscreenings abseits der öffentlichen Kinovorführungen. Dazwischen die Programmmacher/innen, Gästebetreuer/innen, Presse, Katalogredakteur/innen, Shuttle-, Catering-, Putz- und Infoservices. Technik, Aufbau und Kinovorführer/innen, Kopienprüfer/innen, Türsteher/innen.

Wenn man dann also nahe Potsdamer Platz in einem Café sitzt, kann es passieren, dass man zufällig das Gespräch eines deutschen Nachwuchsregisseurs mit einer Freundin? Kollegin? potenziellen Producerin? mitbelauscht. Und wenn dann der Typ einen nicht enden wollenden Monolog über seinen Status in der internationalen Filmszene hält, dann merkt man, dass es eben auch hinter den Kulissen nicht nur um „Kunst und Medien“ geht. Es ist kein Geheimnis, dass Selbstdarstellung und Selbsterhaltung im Kulturbetrieb ziemlich nah beieinanderliegen. Denn für „die Branche“ geht es eben auch um ein Produkt und das will verkauft werden, zum Beispiel auf Filmfestivals.

Und doch ist die Herzkammer dieses Krakenwesens Filmfestival noch immer der Kinosaal. Trotz und dank aller taxierenden Arbeit, die hinter den Kulissen verrichtet wird, passiert mal still und leise, mal dröhnend laut die Magie des bewegten Bildes immer wieder zwischen Leinwand und Publikum. Wenn dann noch Filmschaffende Rede und Antwort stehen, ist das Kinoerlebnis perfekt. Und dafür muss man noch nicht mal nach Berlin fahren. Zwei der wichtigsten Gegenwartsregisseure sind demnächst zu Gast im Kino des Deutschen Filmmuseums: Der Philippiner Lav Diaz am kommenden Dienstagabend, der Österreicher Michael Haneke am 15. März. Und dann ist schon fast April, Zeit für goEast – und der Heuschreckenschwarm nimmt Kurs auf Wiesbaden!

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